Rekurs

Das letzte Kapitel der Einführung in die Ethik der Scientology nennt sich "Ausführung von Recht
und Formen der Abhilfe".

In diesem Kapitel mahnt Hubbard, die Hoffnung auf Rückkehr für Abtrünnige aufrecht zu
erhalten.

Sie müssen die Tür offen halten, und wenn dies auch nur einen Spalt weit ist. Ausschluss ohne
Hoffnung auf Wiedereinsetzung versetzt Leute in totale Hoffnungslosigkeit.

Das ist ein typischer Standpunkt von Scientology - jeder Ausgeschlossene ist in einem
hoffnungslosen Geisteszustand.

Spricht man mit Vertriebenen oder Aussteigern, dann sind diese natürlich sehr erleichtert von
Scientology weg zu sein. Jedoch wenn eine Person in Scientology involviert ist, dann kommt für
sie die Vorstellung ausgeschlossen zu werden wie das Ende der Welt gleich. Darum wird die Tür
offen gehalten, indem immer der "International Justice Chief" kontaktiert werden kann.

Hubbard war sich der Wirkung bewusst, die eine Ausschlussdrohung für seine Anhänger haben
würde. Er bringt hervor:

Die Ethik von Scientology ist in ihrer Wirkung so machtvoll, dass, wie bei Beobachtung ihrer
Anwendung festgestellt wurde, ein wenig davon sehr viel erreicht.

Versuchen Sie zuerst die leichteste Form zu verwenden.

Tatsächlicher Beobachtung zufolge haben Studenten dabei einen ziemlichen Cave-in, wenn sie
angewandt wird.

Unsere Linien sind zu machtvoll und zu direkt, und was wir für die Zukunft einer Person
bedeuten, wird, selbst während die Person meckert, tief im Inneren so gut verstanden, dass
Ethik-Aktionen eine weitaus schlimmere Drohung sind als bloßes Wog-Gesetz.

Überdies, während das Wog-Gesetz ihm schlimmstenfalls nur etwas Schmerzen verursachen
kann und den Verlust eines Körpers durch Hinrichtung oder den Verlust der Freiheit für ein
Leben, bedrohen wir seine Ewigkeit.

Für jemand der niemals in Scientology war oder sich damit eingehend beschäftigt hat, der wird
das möglicherweise nicht vollständig verstehen. Anhänger werden zum Glauben gebracht und
davon überzeugt, dass Scientology die Macht hat, ihnen "ihre Ewigkeit" zu gewähren oder zu
verweigern. Wodurch Drohungen, sie vom Service auszuschließen oder es ihnen zu verwehren,
für jeden Anhänger als eine Sache auf Leben oder Tod angesehen wird. Eine Drohung, die
Technologie zu verweigern, kann ein Mitglied in erhebliche Depression stürzen.

Hubbard fügt hinzu:

Durch den Ausschluss aus Scientology bedrohen Sie jemanden mit Vergessenheit für die
Ewigkeit. Werden Sie daher darüber klar, dass eine Ethik-Aktion nicht sehr schwer zu sein
braucht, um die verblüffendsten Ergebnisse zu produzieren.

Hubbard war sich ebenso bewusst, wie effektiv diese Drohung als Kontrollmechanismus
eingesetzt werden kann. Anhänger tun fast alles, um einen Ausschluss zu vermeiden. Sie
erdulden geradezu alles, inklusive den Kontaktabbruch zu Familienmitgliedern, um dieser
ultimativen Strafe zu entgehen.

Hubbard stellt in dem Essay Gradienten von Ethik- und Rechtsaktionen eine Liste mit 36 möglichen
Ethikaktionen bereit. Beginnend mit der leichtesten (Etwas nicht Optimales bemerken), hinzu
zur härtesten (Ausschluss aus Scientology). Damit sollen zuerst die leichteren Aktionen
Anwendung finden, bevor der Sprung zu Ethikgerichten, Herabstufungen und so weiter erfolgt.
Hier eine Kostprobe der ersten paar:

1. Etwas bemerken, das nicht optimal ist, ohne es zu erwähnen, sondern es lediglich
schweigend inspizieren.

2. Etwas bemerken, das nicht optimal ist, und der Person gegenüber darüber einen
Kommentar machen.

3. Informationen durch Ethik-Personal anfordern.

4. Informationen anfordern und andeuten, dass die Situation eventuell disziplinarische
Maßnahmen nach sich ziehen könnte.

Hinauf, bis zum Ausschluss aus Scientology. Es findet sich keine Zeile die "Etwas bemerken, das
nicht optimal ist und die Person fragen, ob Sie damit Hilfe benötigt" lautet. Mitgefühl oder
Empathie sind im System nicht vorgesehen.

In der Praxis wird diese Liste meistens ignoriert und es wird sofort zu dem jeweiligen
Ethikgradienten gesprungen, der für notwendig erachtet wird.

Einer der "Gradienten" ist die Verweigerung von Auditing oder Ausbildung als Disziplinierung.
Das ist eine gewaltige Strafe für einen Anhänger, da Auditing und Ausbildung genau die
Tätigkeiten sind, die Anhänger in Scientology machen. Das ist ein Teil der "Leugnung der
Existenzberechtigung", die Scientology mit ihren Anhängern betreibt. Sie können Service
gewähren oder verweigern - sogar wenn der Anhänger dafür im Vorhinein bezahlt hat.