Die Gruppe ist die Elite - sie beansprucht eine besondere, erhöhte Stellung;
wer nicht mitmacht bzw. sich nicht retten lässt ist geistig krank.


Durchgehend wird die besondere und überlegene Natur eines Scientologen in L. Ron
Hubbards Schriften erklärt. Mit fortschreitendem Hineinwachsen in das System
gelangt ein Anhänger zum Glauben, dass das tatsächlich der Realität entspricht.
Mitglieder fangen an von sich selbst zu glauben, mehr ethisch, mehr intelligent und
mehr rechtschaffender als jeder andere zu sein. Zum Beispiel schrieb Hubbard in der
bereits erwähnten »Keeping Scientology Working-Richtlinie« Folgendes:

»Was das anbetrifft, schauen Sie sich einmal an, wie wir selbst von den Medien und
der öffentlichen Meinung angegriffen werden. Und doch gibt es keine ethischere
Gruppe auf diesem Planeten als uns.«

Über die Auditoren von Scientology sagte Hubbard: »Es ist meine Meinung und
Überzeugung, dass Auditoren zum obersten Zehntel des obersten Zwanzigstels
intelligenter menschlicher Wesen zählen. Ihre Bereitschaft zu handeln, ihre Motive,
ihre Fähigkeit, zu begreifen und anzuwenden, gehen über die eines jeden anderen
Berufsstandes hinaus.« Später erklärt er: »Scientologen sind auf allen fünf
Kontinenten die besten Menschen.«

Es ist sicherlich nichts Falsches
Gruppenmitglieder aufmunternde
Worte oder ein positives
Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln.
Jedoch zu sagen, Scientologen zählen
zum »obersten Zehntel des obersten
Zwanzigstels intelligenter menschlicher
Wesen«, geht viel zu weit. Vor allem
wenn Anhänger mit Menschen verglichen
werden, die wirklichen Fortschritt und
substanziellen Gewinn für die Menschheit
gebracht haben in der Zeit, seit es
Scientology gibt.

An einer anderen Stelle hält Hubbard fest: »Im Verlauf von fünfzigtausend Jahren
der Geschichte allein auf diesem Planeten hat der Mensch niemals zuvor ein
funktionierendes System hervorgebracht. Es ist zweifelhaft, ob er in absehbarer
Zukunft jemals ein anderes hervorbringen wird. Der Mensch ist in einem riesigen und
komplexen Labyrinth gefangen. Um da herauszukommen, muss er dem exakt
markierten Weg der Scientology folgen. Die Scientology wird ihn aus dem Labyrinth
herausführen; aber nur, wenn er den exakten Markierungen in den Tunneln folgt. Die
Scientology ist ein funktionierendes System. Sie hat den weg markiert. Die Suche ist
vorbei. Jetzt muss man den Weg nur noch gehen.«

»Scientology respektiere und toleriere alle Religionen«, diese Behauptung wird
genauso unermüdlich nach außen hin transportiert, wie »man kann gleichzeitig
Scientologe und auch Christ, Jude, Buddhist, etc. sein«.

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?

L. Ron Hubbard hält - in seiner eigenen gekritzelten Handschrift - fest, dass die
modernen Religionen auf der Erde lediglich »Implantate« seien, die jedem Thetan
vor 75 Millionen Jahren aufgezwungen wurden und die heutzutage von den Menschen
als »geistiges Eindrucksbild« herumgetragen werden. In anderen Worten, nicht nur
dass Scientology nichts von anderen Religionen wie z.B. dem Christentum hält, die
Schriften Hubbards verleumden diese aktiv.


Sequence of Incident II for thetans

7. Various picture sequences.

8. The 7s and C.C. and OT II materials.

9. 36 days of picture implants which give a vast array
     of materials and three explanations for the bombing.

10. Transport to Hawaii or Las Palmas for packaging up into clusters.

The pictures contain God, the Devil, Angels ...


»Der Mann auf dem Kreuz - es gab keinen Christus«, erklärte Hubbard 1968 in einem
Vortrag, wo er den Inhalt dieses geistigen Eindrucksbildes detaillierter erläuterte.
»Irgendjemand hat irgendwo auf diesen Planten 600 Jahre vor Christus ein Stück von
R6 (Implantat) gefunden, und daraus wurde, was als Christentum bekannt ist.« Ob es
nun Sinn macht oder nicht, die eindeutigen Worte von Hubbard sind jene, dass das
Christentum einer »Einpflanzung in unserem Verstand« entspringe, und es keinen
Christus gab.

»Scientology ist das einzige funktionierende System, das der Mensch hat. Sie hat
bereits Menschen zu einem höheren IQ geführt, zu einem besseren Leben und all
dem« ... diese und viele weitere Dinge, Scientology ist der EINZIGE Weg zur
geistigen Freiheit, wird jedem Anhänger bei seinem Fortschreiten fest im Gedächtnis
verankert. 

Von dem geltenden Anspruch abgesehen, dass außer Hubbard niemand Antworten
hat, der Menschheit zu helfen - nicht Jesus, Mohammed, Siddhartha Gautama noch
sonst jemand -, finden sich angeworbene Personen bald mit dem Betriff »andere
Praktiken« konfrontiert, welcher Dinge im Bereich von Verstand, Geist, und Religion
beschreibt, die nicht (das praktizieren von) Scientology betreffen.

Als Verbrechen in Scientology legte Hubbard Nachstehendes fest: »Scientology mit
einer nicht damit in Zusammenhang stehenden Praktik zu verbinden.«
  
Danach wurde es als Frage Gegenstand in einer Sicherheitsüberprüfung: »Haben Sie
die Prozesse von Scientology mit anderen Praktiken vermischt?« Im Auditorenkodex
lautet es Folgendermaßen: »Ich verspreche, die Prozesse der Scientology nicht mit
anderen Praktiken zu vermischen ...«

In Scientology schließt das andere religiöse
Praktiken, ebenso wie Yoga oder Meditation,
aus, welche mit Geringschätzung betrachtet
werden. Am deutlichsten geht es aus der
internen Erklärung von Scientology selbst
hervor, die im Zuge des Ansuchens für die
Steuerbefreiung an die US-Steuerbehörde
vorgelegt wurde. Scientology und andere
Konfessionen gleichzeitig zu praktizieren ist
unvereinbar.  


Die Gruppe prägt eine Wir-gegen-Sie-Mentalität. Ein Schwarz-Weiß-Denken,
das mit der übrigen Gesellschaft Konflikte verursacht.


Da Anhängern von Scientology ständig eingeredet wird, dass sie aufgrund einem
speziellen geistigen Zustand allen anderen Menschen überlegen wären, ist es sehr
einfach, diesen künstlichen Unterschied zwischen ihnen selbst und dem Rest der
Welt, wo faktisch kein solcher Unterschied existiert, zu erschaffen. Auch jene
Mitglieder, die noch nicht mit diesen »fortgeschrittenen Techniken« kundig sind,
denken aufgrund der Gruppenzugehörigkeit, den Nicht-Scientologen überlegen zu
sein.

Hubbard prägte in seinen Schriften geringschätzende Begriffe für Außenstehende,
nannte sie »Wog«, ein Schimpfwort aus dem englischen Sprachgebrauch, oder »Raw
Meat« - rohes Fleisch, so werden intern diejenigen bezeichnet, die angeworben
werden sollen.

Diese Wir-gegen-Sie-Mentalität geht soweit, dass sie Trennung von Familie und
Freunden mit sich bringt, wenn diese lautstark Bedenken oder Kritik äußern.
Außerdem wird dadurch eine immense Konformität aller Anhänger erzeugt. Fragt
man 100 zufällig ausgewählte Katholiken über den Missbrauch in ihrer Kirche, dann
gingen die Antworten wohl ausschließlich in die Richtung »entsetzlich«,
»unentschuldbar« oder »ekelhaft«. Würde man hingegen 100 Scientologen zum
Missbrauch innerhalb von Scientology befragen, dann wären hundert Prozent der
Antworten: »Alles nur Lügen von Hassern und religiös Intoleranten.«

Die zentrale Frage hierbei ist, kann ein Missbrauchsopfer - egal ob sexuell oder
psychisch - seinen Missbrauch öffentlich machen, ohne Konsequenzen von der Gruppe
befürchten zu müssen? Bei Scientology ist die Frage klar mit einem Nein zu
beantworten. Die interne Gerichtsbarkeit von Scientology schreckt Betroffene ab,
ihre Erlebnisse bekanntzumachen.

Bei Fragen zum Thema Homosexualität sind die Antworten von Katholiken breit
gefächert. Unbestritten gibt es von katholischen Würdenträgern zu diesem Thema
Aussagen die eher ans Mittelalter erinnern, aber es ist keinesfalls die
übereinstimmende Meinung der allermeisten Katholiken.

Als praktizierender Scientologe übernimmt man die Worte von L. Ron Hubbard als
seine Meinung. Was hat er dazu geschrieben? 

»Der sexuell Pervertierte (dieser Ausdruck umfasst in der Dianetik, um es kurz zu
sagen, jede einzelne Form der Abweichung in der Zweiten Dynamik wie
Homosexualität, lesbische Liebe, Sadismus und so weiter) ist tatsächlich physisch
ziemlich krank […] Das bedeutet, dass der Pervertierte auf die eine oder andere
Weise immer ein sehr kranker Mensch ist […] gleichzeitig ist er aber so weit davon
entfernt, normal zu sein, und ist für die Gesellschaft so außerordentlich gefährlich.«

Natürlich wird Scientology diese Position niemals nach außen hin transportieren,
sondern sich als Organisation darstellen, welche die sexuelle Orientierung der
Menschen egal sei.  
 
Statt sich an rationalem Dialog, der frei von jeder Agenda ist, zu beteiligen, müssen
Anhänger eine von Scientology vorgegebene »Handhabung« bei ihren
Familienangehörigen und Freunden ausführen. Entweder diese Gerüchte
unglaubwürdig machen, sie als Lügen beweisen, oder in letzter Konsequenz den
Kontakt abbrechen. Es gibt keine religiöse Toleranz in Scientology.


Die Gruppe lehrt oder impliziert, dass das erhabene Ziel es rechtfertigt, alle
notwendig erachteten Mittel einzusetzen - der Zweck heiligt die Mittel.


Ist eine Person erst einmal tief genug im Netz von Scientology verstrickt, dann wird
sie sich bei Rechtfertigungen für viele Arten von Verhalten wiederfinden, dass sie
davor bei sich niemals akzeptiert hätte.

Trotz finanzieller Schieflage wird für den nächsten Kurs im Voraus bezahlt, oder man
greift für den Ehrenstatus »Sponsor« mit 10.000 Euro in die Tasche. Es werden
Sparbücher oder Pensionskonten geplündert und Hypotheken auf Eigenheim oder
erdrückende Kredite aufgenommen. Bis zu dem Punkt der Zahlungsunfähigkeit - das
passiert viel häufiger als man denkt. Und die ständigen Geldforderungen sind
eigentlich eine weniger verwerfliche Praxis, zu denen Scientology ihre Anhänger
drängt.

Scientology treibt ein falsches Spiel mit der Auffassung von Wahrheit, insbesondere
wenn es die Öffentlichkeitsarbeit betrifft. Hubbard schrieb über das Konzept der
»akzeptablen Wahrheit« in einer PR-Anweisung folgendermaßen: »Der Umgang mit
der Wahrheit ist eine ebenso heikle Sache. Man muss nicht alles erzählen, das man
weiß. Sagen Sie eine akzeptable Wahrheit. PR ist die Technik akzeptable
Wahrheiten zu kommunizieren.«

Wenn es bedeutet nicht die ganze Geschichte zu erzählen, wichtige Informationen
auszulassen oder durch Schwindel einen positiven Eindruck entsteht zu lassen, dann
ist das für Scientology recht und billig. Solche Desinformationskampagnen sind ein
übliche Strategie wenn versucht wird, Themen wie die Zerstörung von Familien oder
die finanzielle Ausbeutung der Anhänger zu verharmlosen oder gegendarzustellen. 

Fragen von Journalisten, die Scientology schaden könnten, werden umgangen, indem
der Wahrheitsgehalt der Informationsquelle infrage gestellt wird, oder auf die
positiven Leistungen von Scientology gelenkt wird. Wo fliest das viele gespendete
Geld hin? Wo sind die Millionen von Anhänger, wenn weltweit die Gebäude leer sind?
Dass sind Fragen, die die meisten Anhänger nicht beantworten können. Werden sie
damit überraschend konfrontiert, werden sie immer ihr künstlich-lächelndes Gesicht
aufsetzen, anstellte ernsthaft in Betracht zu ziehen, dass mit Scientology
möglicherweise gravierend etwas nicht stimmt.

Jedoch geht diese »der Zweck heiligt die Mittel-Mentalität« weit über das Erzählen
von Geflunker hinaus. Es ist eine gut dokumentierte Tatsache, dass Mitarbeiter von
OSA, der Sea Org und gewiss auch einfache Anhänger (publics), mit an
»Fair Game-Aktivitäten« beteiligt sind.

Wer als Feind der Organisation wahrgenommen wird, gilt als »Freiwild«. »Man darf
sie betrügen, verklagen, belügen oder vernichten«, schrieb L. Ron Hubbard. Das
Arsenal an Methoden reicht von offener und versteckter Materialsammlung über
Psychoterror, Bespitzelung, falscher Beschuldigungen, Strafanzeigen bis hin zu
tätlichen Angriffen.

Scientology heuert nicht nur Privatdetektive
an, um Menschen nachzustellen, sie haben
es auch wiederholt geschafft, dass Menschen
von ihren Jobs gefeuert wurden. Privat- u.
Geschäftsleben wurden unterwandert, um
Beziehungen und geschäftliche Partnerschaften
zu zerschlagen.

Scientology treibt diese Aktionen solange voran wie es für nötig gehalten wird, um
Dinge herauszufinden, die sie über ihre Feinde wissen möchten. Es werden Nachbarn
befragt, um negative Dinge herauszufinden. Es werden Mülltonnen durchwühlt, um
belastendes Material aus dem Privatleben zu finden. Diese erhaltenen Informationen
sollen als Druckmittel herhalten, um die Zielperson zum Schweigen zu bringen. Es ist
durchaus schon vorgekommen, dass Scientology steckbriefartige Zettel mit den
persönlichen Daten in der Umgebung der Wohnadresse verteilt, um die Zielperson zu
diskreditieren.

Eine weitere Form der »Fair Game-Aktivitäten« ist es, ausplaudernde Aussteiger und
öffentliche Kritiker mit anwaltlichen Drohbriefen zum Schweigen zu bewegen, oder,
einen Schritt weiter, sie vor Gericht zu zerren. Einfach um die Person zu
terrorisieren, damit diese sämtliche Aktivitäten einstellt, die der Organisation
schaden.

Hubbards Richtlinien legen unverblümt dar: »Der Zweck einer Klage ist eher, zu
stören und zu entmutigen, als zu gewinnen. Das Recht kann sehr leicht dazu benützt
werden, zu belästigen, und genügend Belästigung für jemanden, der ohnehin einfach
im Nachteil ist […] würde im Allgemeinen genügen, seinen beruflichen Untergang zu
verursachen. Wenn möglich, ruiniere ihn selbstverständlich endgültig.«

So durchlebte die freiberufliche Schriftstellerin Paulette Cooper einen Albtraum,
nachdem sie 1971 das Buch »The Scandal of Scientology« veröffentlicht hatte. Es
wurden neunzehn Prozesse gegen sie eingeleitet. Gemäß Dokumenten, die später im
Hauptquartier von Scientology gefunden wurden, hatte die »Operation Freak-Out«
zum Ziel, Cooper in die Psychiatrie oder ins Gefängnis zu bringen oder zumindest so
schwer zu treffen, dass sie ihre Angriffe fallen lässt. Zu den Plänen dieser Kampagne
gehörten telefonische Bombendrohungen bei einem arabischen Konsulat in New York
City, gesprochen von einem Mitglied von Scientology, das eine Stimme wie Cooper
hatte, außerdem schriftliche Bombendrohungen auf ihrem persönlichen Briefpapier
mit ihren Fingerabdrücken, das man bei ihr gestohlen hatte.

Das »Cult Awareness Network«, eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es
war, die Öffentlichkeit über die schädlichen Wirkungen und Gefahren von Sekten
aufzuklären, war zwischen 1991 und 1993 Zielscheibe zahlloser Angriffe seitens
Scientology. Mit über 47 angestrengten Prozessen wurde diese Bürgerinitiative
schließlich in den Ruin geklagt.

»Wenn jemand jedoch angestrengt versucht, Scientology oder ihre Aktivitäten zu
enturbulieren oder zu stoppen, dann kann ich Captain Bligh wie einen
Sonntagsschullehrer aussehen lassen. Es gibt wahrscheinlich keine Grenze in Bezug
darauf, was ich tun würde, um des Menschen einzigen Weg hinaus zu schützen,
gegen jene, die, Auditing verachtend, versuchen Scientology zu stoppen oder
Scientologen Schaden zuzufügen.«

Dies sind die Worte des von Scientology hochstilisierten »Menschenfreundes«. Und
wer nicht weiß, wer William Bligh ist, er war Kapitän der »Bounty« und wird als
gnadenloser und brutaler Menschschinder dargestellt. 

Die andere Seite sind Klagen gegen Scientology. Wer sein Recht will, muss es vor
Gericht einklagen, und das trauen sich nur ganz wenige. Das Schlüsselproblem ist die
Frage der »Freiwilligkeit«. Schließlich wird niemand gezwungen, sich einer
totalitären Sekte anzuschließen (mit der bisher viel zu wenig beachteten Ausnahme
der Kinder von Sektenangehörigen!). Die unterstellte Freiwilligkeit aber führt dazu,
dass Polizei und Gerichte de facto nicht feststellen können, ob dieser Weg,
Interessen zu dienen, die der Person selbst geschadet haben (Ausbeutung,
Sklavenarbeit, Freiheitsberaubung) durch extreme und destruktive
Beeinflussungsmethoden erzwungen wurde, oder ob sie selbst schuld daran ist.
Gehirnwäsche ist nicht strafbar.

Drei kurze Beispiele die zeigen sollen, was es bedeutet, gegen Scientology vor
Gericht zu ziehen. Das erste betrifft Laura DeCrescenzo, die schon im Alter von 12
Jahren 98 Stunden/Woche für die Sea Org schuftete, und der Organisation, als sie mit
17 schwanger wurde, vorwirft, dass ihre Vorgesetzten so lange Druck auf sie
ausübten, bis sie einwilligte das Baby abzutreiben. Scientology bezeichnet Kinder als
»Geistliche«, und verhindert somit effektiv das Einschreiten der Behörden - so wird
der zuerkannte 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten zynisch
ausgenutzt. Eingereicht wurde diese Klage 2009, noch immer ist kein Termin für eine
Gerichtsverhandlung in Aussicht und mittlerweile ist bereits der dritte Richter mit
dieser Sache vertraut. Seit nunmehr acht Jahren schöpft Scientology jedes
Rechtsmittel (Anträge, Änderungen, etc.) aus, um ein Geschworenengericht um
jeden Preiß zu verhindern. Das Ganze geht soweit, dass Scientology eine Anfrage für
eine psychiatrische Begutachtung der Klägerin eingebracht hat. Ja, genau jene
Organisation, die die Psychiatrie verabscheut und auslöschen will, und mit CCHR
sogar eine Frongruppe hat, welche das psychiatrische Fach ständig angreift und
diffamiert, verlangt eine psychiatrische Untersuchung.

Der zweite Fall betrifft die Betrugsklage von Luis und Rocio Garcia. Die Garcias
haben Scientology im Jänner 2013 mit dem Vorwurf geklagt, sie wären von
Scientology vorsätzlich getäuscht worden, um aus ihnen mehrere hunderttausende
Dollar an Spenden herauspressen zu können. Da die Garcias, ebenso wie alle
Anhänger von Scientology, immer wieder rechtsgültige Verträge mit der Organisation
unterschreiben müssen, wo sie mehr oder weniger um viele ihrer Rechte beraubt
werden, verwies der Richter auf deren Gültigkeit. Womit die Garcias gezwungen
waren, ihr Anliegen, das Geld zurückzuerhalten, der internen Gerichtsbarkeit von
Scientology zu unterwerfen. Das Problem dabei, dieses Schiedsgericht ist ein
Schwindel und existiert in Wirklichkeit nicht. Trotz schriftlicher Erklärungen an den
Richter, wo ehemalige Mitglieder diesen Schwindel bestätigt haben, und Beweisen,
dass Scientology in den vorgebrachten Akten falsches Zeugnis abgelegt hat, schützt
der »First Amendment« Scientology mit ihrem falschen Spiel. Ausgang noch offen.

Der dritte Fall betraf die Klage von Monique Rathbun wegen Psychoterror (ständige
Überwachung, Sexspielzeug wurde an den Arbeitsplatz geschickt, etc.), welcher von
der Klägerin ohne Angaben von Gründen über Nacht eingestampft wurde. Dieser Fall
ist insofern interessant um sich klarzumachen, welche Geschütze Scientology vor
Gericht auffährt. In einem einfachen Bezirksgericht standen nicht weniger als 20
Top-Anwälte an der Seite von Scientology, wo jeder die Stunde mehr kostet, als ein
Durchschnittlicher Mitteleuropäer netto verdient.

Unterm Strich ist eine Klage, bis zu einem endgültigen Urteil, gegen Scientology an
vielen Fronten eine extreme Aufgabe und so ist es nicht verwunderlich, wenn die
meisten dieser Klagen schon im Anfangsstadion eingestellt werden bzw. auch gar
nicht zu Tage kommen. Hinzu kommt noch, dass Scientology sehr oft einen lukrativen
Deal anbietet. Geldbetrag X gegen die Einstellung der Klage. Eine Million gegen
langjährige Mühlseligkeit, womöglich seine besten Jahre zu verlieren und
ungewissem Ausgang. Wie würden Sie entscheiden?

Ein anderer Punkt sind Verschwiegenheitsvereinbarungen - erkauftes Schweigen.
Scientology macht das öfters als man denkt, um ernüchterte Aussteiger, die höhere
Positionen in der Organisation bekleidet haben und somit über viel Insiderwissen
verfügen, schon im Vorhinein daran zu hindern, sich mit Interna an die Presse zu
wenden.

Im Jahr 2015 kam zu Tage, dass David Miscavige seinen Vater 18 Monate lang von
einem Privatdetektiv beschatten lies. Rund 10.000 Dollar sollen wöchentlich
geflossen sein, damit Ronald Miscavige Emails überwacht, sein Aktivitäten verfolgt,
und seine Gespräche abgehört werden. Mitfinanziert von jedem Bürger, dessen Land
Scientology als gemeinnützige Vereinigung anerkannt, und von der Steuer befreit
hat.

Um Missverständnisse an dieser Stelle auszuräumen, nur ein kleinerer Teil der
Anhänger von Scientology beteiligt sich in einem solchen Ausmaß an »Fair Game«.
Die meisten wissen nicht einmal, dass diese Dinge vor sich gehen. Eventuell ist dieses
Verhalten der Organisation für sie in Ordnung und sie verschließen willentlich die
Augen, oder es wird - wie alles Negative über Scientology - als Lüge abgetan.

Anhänger tun diese Dinge ohne schlechtes Gewissen. Sie rechtfertigen ihr kriminelles
Verhalten weil sie denken, damit die Welt zu retten. In der Bedeutung von Denken
und Handeln eines Scientologen gilt damit, dass Personen, die sich aktiv gegen
Scientology betätigen, nach den »ethischen« Definitionen des Systems rechtlos sind.
Im Umkehrschluss bedeutet dieses auch, dass selbst massivste Straftaten gegen
definierte Gegner nichts Kriminelles im Sinne der Scientology-Ethik zu bewerten
sind. Der Schutz der Technologie und damit des Systems hat Vorrang vor allem
anderen.

Wenn eine Person aktives Mitglied bei Scientology wird, dann wird sie sich am
Anfang niemals vorstellen können, jemals an solchen Verhaltensweisen oder
Aktivitäten beteiligt zu sein. Finanzielle Misswirtschaft, Betrug, Psychoterror und
sogar Gesetze zu brechen. Es erfolgt mit der Zeit, Schritt für Schritt. In der Art wie
Walter White in der Serie »Breaking Bad«. Jede Entscheidung wird stufenweise
schlimmer und schlimmer, bis die Person sich in einer Lage befindet in der sie spürt,
keine andere Wahl mehr zu haben.
Informieren sich Menschen in Büchern, Medienberichten oder im Internet über
Scientology, dann wird die Organisation in vielen Fällen als »Sekte« beschrieben.
Auch die öffentliche Diskussion ist sehr häufig durch dieses Schlagwort geprägt.
Fraglos finden Anhänger von Scientology diesen Begriff für anstößig, haltlos und
jeder Grundlage entbehrend. Das negativ belastete Wort Sekte ist zweifelsohne
polarisierend und nicht unproblematisch. In vermeintlichen Sekten geht es schließlich
um Schwarz-Weiß-Denken, alles oder nichts, gut oder böse. Nur der genau Blick in
die einzelnen Einheiten von Scientology machen die Gefahr deutlich: für Mensch und
Gesellschaft.

»Wenn wir allerdings das Wort Sekte oder Kult gar nicht benutzen, ist es in etwa als
stellen wir Sklaverei einem Arbeitsvertrag gleich oder Vergewaltigung mit
Geschlechtsverkehr«, schrieb die in einer Sekte aufgewachsene Katharina Meredith.
In beiden Fällen betrachten wir ein an sich normales Verhalten (jemand arbeitet für
jemand anders, zwei Menschen haben körperliche Nähe). Was es allerdings zu einem
Verbrechen macht, ist das Zusammenspiel von Macht und Kontrolle. Haben beide
Parteien jederzeit die Möglichkeit nein zu sagen und sich bei Unwohlsein aus der
Situation zu entfernen? Oder wird eine Person mit psychischer oder körperlicher
Gewalt davon abgehalten? Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir den Begriff Sekte
nicht inflationär verwenden.

Die Realität ist jedoch, dass Sektenmitglieder nicht den leisesten Schimmer haben,
was dieser Begriff tatsächlich bedeutet und was alles dahintersteckt. Viele
assoziieren einfach eine bösartige, dunkle, verschlossene und abgeschottete Gruppe
- und ihre ist das definitiv nicht. Unausweichlich wird mit Sekte auch der Begriff
»Gehirnwäsche« ins Bewusstsein gerufen - die Vorstellung einer Bekehrung durch
Gewalt, Folter oder Zwang. Die Sektenanhänger aber wissen, dass sie dem nicht
ausgesetzt wurden (und unterstellen den Kritikern daher, dass sie Lügenmärchen
erfinden).

Nicht minder unangebracht ist es, ja sogar gefährlich, wenn die breite Öffentlichkeit
legitime Religionen und Sekten in den gleichen Topf wirft. Aussagen, dass jede
Kirche sowieso eine Sekte ist und die größte davon die katholische Kirche, spielen
einzig jenen Organisationen in die Hände, die systematisch Familien zerstören,
Anhänger massiv physisch, psychisch und finanziell ausbeuten, gegen Kritiker
skrupellos vorgehen, usw. Die Unterschiede werden offensichtlich, wenn wir
untersuchen, mit welcher Intensität und wie umfassend diese Methoden angewandt
oder nicht angewandt werden.

Der Sektenbegriff hat nichts mit der Anzahl der Anhänger zu tun, noch mit einem
unorthodoxen Glauben. Auch ist der heutige Sektenbegriff sehr viel weiter geworden
als nur eine religiöse Gemeinschaft, und umfasst auch äußerst weltliche
Gruppierungen. Dementsprechend ist die Begriffsherleitung einer Abspaltung
(secare) überholt, obwohl linguistisch sich das Wort Sekte nicht von secare ableitet,
sondern vom lateinischen secta, das sich aus dem Verb sequi (jemanden folgen)
gebildet hat.

Für den Begriff »Sekte« sind andere Faktoren von wesentlicher Bedeutung: Er
bezieht sich auf die Rolle des Anführers, die Machtstruktur, die Verletzung der
Rechte ihrer Mitglieder, die übermäßige Einschränkung der individuellen Autonomie
und Entscheidungsfreiheit, die Unterdrückung der Persönlichkeit und das
Zurückdrängen von selbstständigen Denken und Handeln. Darüber hinaus der
systematische, schädliche und unethische Einsatz von raffinierten psychologischen
und sozialen Beeinflussungsmethoden, um Mitglieder zu werben oder sie in der
Gruppe zu halten.

Ausschlaggebend ist die differenzierte Beurteilung einer Gruppe anhand ihrer
Merkmale und deren Auswirkungen auf der persönlichen, familiären,
gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ebene. Wir müssen die
Gleichgültigkeit derer überwinden, die sich nicht die Mühe gemacht haben, sich über
Sekten zu informieren oder die sich etwa hinter Fiktionen verstecken.
Religionsfreiheit darf kein Freibrief zur Verletzung individueller Grundrechte sein und
gewährt nicht das Recht, ein Verhalten an den Tag zu legen, das die Rechte anderer
oder die Gesetze des Landes verletzt, selbst wenn religiöse Beweggründe
beansprucht werden. 

Ist es nun tatsächlich fair, Scientology innerhalb der gleichen Kategorie wie zum
Beispiel dem »People's Temple« von Jim Jones, der »Zwölf Stämme« oder der
»Moon-Bewegung« einzuordnen?

Mit einem Wort: JA.

Jede Gruppe oder Kultur hat Eigenheiten, über die sich ihre Anhänger definieren und
die sie von anderen Gruppen oder Kulturen unterscheidet. Nun ist per se nichts
Problematisches daran, Praktiken und Überzeugungen zu haben, die eine soziale,
kulturelle oder religiöse Gemeinschaft ausmachen. Das ist völlig legitim. Die
Menschheit lebt von ihren Unterschieden und an dem ist überhaupt nichts
auszusetzen. Wir sollten an diesen Unterschieden festhalten. Sei es in der Kleidung,
Nahrung, Denkweise, Rituale oder Glaubenssätze, die die Besonderheit der eigenen
Religion auszeichnen sollen. 

Eine große Problematik mit Sekten ist, dass diese inhärenten Unterschiede auf eine
ganz neue Ebene gebracht werden. Sekten nehmen die natürliche Vielfalt des Lebens
und würdigen alles herab, was nicht mit den Vorstellungen und Zielen des Anführers
in Übereinstimmung steht. 

Es gibt verschiedenste religiöse und nicht religiöse Gruppen, mit einer Menge
unterschiedlicher Überzeugungen. Die meisten von ihnen erheben den Anspruch, ein
Monopol auf die Wahrheit zu haben. Aber um festzustellen ob eine Gruppe eine
Sekte ist oder nicht, muss man auf ihr Verhalten und ihre Handlungen schauen, nicht
woran sie glauben!

Wenn eine Person glauben will, dass einzig die »Technologie« von L. Ron Hubbard
die Menschheit retten kann, so ist das ihr uneingeschränktes Recht. Aber - und dies
ist ein ganz wesentlicher Punkt - die Menschen sollten vor Einflüssen geschützt
werden, mit denen sie zum Glauben gebracht werden, dass einzig L. Ron Hubbard der
Retter der Menschheit sei.

Ein Blick in die Geschichte: L. Ron Hubbard gründete Scientology in den 1950er
Jahren und verfolgte den »Religionsgesichtspunkt« aus zweierlei Gründen. Erstens
stoppte es die amerikanische Behörde für Lebens- u. Arzneimittel (FDA) ihn wegen
seiner angepriesenen Quacksalber-Heilmethoden zu verfolgen; und zweitens
erlaubte es Steuern zu umgehen. Hubbard ließ es sich nicht nehmen, zu dieser Zeit
gleich drei Kirchen (The Church of American Science, The Church of Scientology, The
Church of Spiritual Engeneering) anzumelden. Die 1957 zuerkannte Steuerbefreiung
ging 1967 verloren und wurde 1993 mit einer Schikanenkampagne wiedergewonnen.
Die US-Steuerbehörde (IRS) wurde mit rund 2.400 Einzelklagen von Scientology-
Anhängern überzogen, und gab schlussendlich zermürbt klein bei. Scientology feierte
überschwänglich: Der Krieg ist vorbei.

Selbstverständlich wurde dieses nicht als Steuerbefreiung von der Organisation
benannt, sondern als Anerkennung der Religionsgemeinschaft. Dennoch besaß oder
besitzt Scientology in Amerika auch nicht den »Status« einer Religion, schon gar
nicht auf Treu und Glauben (bona fide). Wer immer das behauptet, wie die
Scientologen es penetrant tun, der liegt falsch. Den Status einer Kirche gibt es
Amerika ebenso wenig wie in den meisten anderen Ländern der westlichen Welt. Im
Gegenteil: Die amerikanische Verfassung legt die strikte Trennung von Staat und
Kirche in ihrem ersten Zusatzartikel, dem berühmten »First Amendment« fest. Es
gibt in den Vereinigten Staaten keine Behörde, die über die Anerkennung von
Religionen als solche entscheidet. Dass der Staat es per Steuerbefreiung letztlich
doch tut, wird durch die Behördensprache austariert. Eine Organisation wird aber
nicht dadurch zu Kirche, dass sie sich so nennt. Scientology nennt sich Kirche, in der
Hoffnung etwas von der Akzeptanz der christlichen Kirchen würde abfärben. Deshalb
geht es im Fall Scientology offiziell immer »nur« um eine Befreiung von der Steuer
als gemeinnützige Vereinigung. Als gemeinnützig anerkannt zu werden, ist in den
USA eigentlich nicht schwierig, viele - auch gerade sich religiös gebende Gruppen -
haben diesen Status.

Nachstehend spezifische Charakteristiken von Sekten und wo Scientology genau
hineinpasst. Zweifelsohne gibt es weitere Merkmale, und ganz egal welche näher
betrachtet wird, Scientology wird passen. Auch die katholische Kirche oder Apple
haben ein Maß an sektenartigen Verhalten. Sektenähnliche Züge kann man auf allen
Ebenen der Gesellschaft sehen - von persönlicher Beziehung bis zur Regierung. Nicht
jede Gruppe, die in einem Bereich sektiererische Ansätze zeigt, ist automatisch eine
Sekte. Jedoch ist das Ausmaß von jeder Eigenschaft, die Zahl der Charakteristiken
und die Intensität bei Scientology um ein Vielfaches höher, um sie als Sekte zu
bezeichnen. PS: Zur Vergrößerung der Bilder bitte auf diese klicken.


Die Gruppe zeigt übermäßigen Enthusiasmus und bedingungslose
Verpflichtung zum Anführer (ob tot oder lebendig). Das Glaubenssystem ist
die absolute Wahrheit und die Lehre gilt als einziges, ewig wahres Wissen.


Eines der ersten Dinge, die einem Besucher in einer Organisation von Scientology
auffallen wird, sind die vielen Portraits ihres Gründers L. Ron Hubbard; beinahe jeder
Raum ist mit seinem Konterfei geschmückt. Etwas, auf das Hubbard in seinen
Richtlinien bestanden hat.

Trotz seines Todes vor fast 30 Jahren unterhält jede Organisation ein komplett mit
Möbeln und Büchern ausgestattetes Büro für ihren Gründer, sodass er, der seinen
Körper verlassen und die nächste Phase seiner spirituellen Forschungen im
Universum angetreten hat, bei seiner Rückkehr sofort an die Arbeit gehen kann.
Keine andere Organisation oder Kirche macht es genauso.

L. Ron Hubbard definierte sich zu Lebzeiten
selbst als die »Quelle« von Scientology und
machte deutlich, dass einzig er alleine der
Ausgangspunkt der Lehre ist. Für Scientology
war er und wir er immer eines bleiben:
die »Quelle«, der größte »Humanist« auf
diesem Planten.

Alles, wirklich alles, was er formuliert hat, was er an Anweisungen gegeben hat, ist
nach wie vor die alleinige Denk- und Handlungsvorlage für die Mitglieder der
Organisation. Alle Anhänger sind überzeugt, L. Ron Hubbard hat die Probleme der
Menschheit erkannt und etwas entwickelt - genannt »Technologie« -, das die
Menschheit, die Erde und das Universum vor Verfall, Verderbtheit - kurz vor dem
Untergang retten kann. In Scientology bezieht sich das Wort »Technologie« auf die
Methoden der Anwendung der Prinzipien von Scientology, welche von L. Ron Hubbard
entwickelt wurden, um die Arbeitsfähigkeit des Verstandes zu erhöhen und um das
Potenzial des geistigen Wesens zu rehabilitieren. 

Einzige Bedingung dafür ist, dass alle, die sich in seiner Organisation bewegen, sich
strikt an die Vorgaben halten. Dieses bedeutet, fundamentale Erkenntnisse der
Wissenschaft quasi im Kopf ad acta zu legen. Was in Physik, Chemie oder Biologie
wissenschaftlich bewiesen wurde - es zählt nicht. Hubbards Worte sind in der Welt
von Scientology Gesetz, ganz egal wie überholt, unwissend oder herabsetzend diese
sein mögen.

Basierend auf den Schriften von L. Ron Hubbard wird Scientology zum Lebensinhalt,
zum Mittelpunkt von Denken und Handeln. Die Konsequenz, Scientology dringt tief
und kontrollierend in sämtliche Lebensbereiche ihrer Mitglieder ein. Stille Geburt,
Babynahrung, Kinder sollen nicht getröstet werden, abraten von Medikamenten, etc.
um ein paar Beispiele zu nennen. Bei der wortgenauen Auslegung der Schriften von
L. Ron Hubbard geht es für jeden Anhänger, der die ideologischen Inhalte
verinnerlicht hat, sprichwörtlich um Leben oder Tod.

Die stille Geburt basiert auf der Vorstellung, dass alle starken Reize wie Lärm,
Schütteln oder Stimmen bei der Geburt Traumata, sogenannte »Engramme«
(negative Einprägungen), erzeugen, die das Überlebenspotenzial einer Person
senken. »Das Baby zu stillen, hat vielleicht einen nostalgischen Hintergrund, aber
auch die Muttermilch ist gewöhnlich eine armselige Ration«, schrieb L. Ron Hubbard
und legt ein Rezept mit Gerstenwasser, statt Muttermilch, vor, denn diese könnte ja
noch von mütterlichen Verhalten belastet sein.

Verletzt sich ein Kind zum Beispiel auch nur leicht, so ist die allererste Regel
Schweigen zu bewahren um Engramme zu vermeiden. »Psychosomatische
Krankheiten (wie Arthritis, Hautentzündungen, Allergien, Asthma, manche
Herzkranzgefäßbeschwerden, Magengeschwüre, etc.) werden durch Engramme
verursacht«, hielt Hubbard fest und kann mit Hilfe der dianetischen Therapie
ausnahmslos geheilt werden.

Wenn notwendige Medikamente abgesetzt werden, weil diese in der Lehre von
Scientology den spirituellen Fortschritt behindern - und nichts ist wichtiger in
Scientology -, dann besteht die Gefahr von gesundheitlichen Schäden. Womöglich
könnte John Travoltas Sohn, der an Autismus litt, heute noch leben, wäre er mit
evidenzbasierter Medizin behandelt worden. Schmerzmittel sind verpönt und
Psychopharmaka sind ein absolutes No-Go, sind diese doch das zerstörerischste
Einzelelement für das spirituelle und geistige Wohlbefinden eines Menschen.

Jede Gruppe hat Leitlinien und Regeln, welche das Verhalten einer Person
einschränken oder kontrollieren. Allerdings geht es in totalitären Sekten weit über
das Befolgen von ein paar Regeln hinaus. So lernt jemand in Scientology sehr rasch,
dass allen Angehörigen des LGBTI-Kollektivs (lesbisch, schwul, bisexuell,
transsexuell oder transgender und intersexuell) aufgrund ihrer emotionalen
Reaktionen niemals vertraut werden soll. Diese Menschen werden »1.1er« genannt,
weil dies die Nummer der Emotion »Versteckte Feindseligkeit« in Hubbards »Tabelle
der Einschätzung des Menschen« ist und Homosexualität sowie Perversion
beinhaltet.

Die allerwichtigste Richtlinie von Scientology betitelt sich mit »Keeping Scientology
Working« - die Funktionsfähigkeit der Scientology erhalten. In dieser Richtlinie stellt
Hubbard unmissverständlich fest, warum Scientology die wichtigste Entdeckung der
Weltgeschichte ist und das buchstäblich jedes einzelne Leben angewiesen ist,
Scientology zu praktizieren. Er schreibt auch, dass jede Nichtübereinstimmung, die
jemand für Scientology empfindet, zweifellos aus geistiger Verwirrung entspringt.

Nicht auf dem Weg in der Scientology befindliche Menschen sind »aberriert«. Welche
Bedeutung der Begriff »Aberration« hat, wird schon bei der Übersetzung aus dem
Scientologischen deutlich, denn alle, die mit diesem Titel versehen werden, sind nicht
ganz normal. Also alle, die nicht zum System gehören. Aberration: ein Abweichen
vom vernünftigen Denken oder Verhalten … Aberration ist geistiger Gesundheit
entgegengesetzt, die ihr Gegenteil wäre.

Mit L. Ron Hubbards Mantel der Unfehlbarkeit
hat sich David Miscavige bemächtigt, dem
derzeitigen Anführer von Scientology.
Diana Hubbard (64) ist das die letzte von
sieben Kindern, von drei verschiedenen
Frauen, die von L. Ron Hubbards Familie
noch bei Scientology verblieben ist.
Mittlerweile sind sämtliche Hinweise in
Bezug auf Hubbards Familie von der
Scientology-Webseite entfernt worden.
Miscavige führte eine regelrechte Säuberungs-
welle durch, dem zahlreiche langgediente und
ranghohe Mitglieder zum Opfer fielen.

David Miscavige hat sämtliche Kontrolle und Entscheidungsbefugnis in sich vereint,
und hat völlige Kontrolle über Milliarden an Vermögenswerten und liquiden Mitteln.
Niemand in Scientology wagte es Miscavige, der sämtliche Entscheidungen
mikromanagt, oder die Richtlinien von L. Ron Hubbard in Frage zu stellen, noch mit
irgendeiner noch so kleinen Kritik oder einem Missbrauch an die Öffentlichkeit zu
gehen. Mitglieder von Scientology sind ideale Opfer von Betrug und Missbrauch, da
sie gegen andere Gruppenmitglieder keine Gerichte der »Wog-Welt« anrufen dürfen,
wenn sie nicht den Verlust ihrer teuer erworbenen Erleuchtungsstufen riskieren
wollen.

Um zu zeigen, wie weit dieser blinde Gehorsam geht, hat Tom Cruise, nachdem ihm
die »Freiheitsmedaille für Tapferkeit« überreicht wurde, David Miscavige in Begriffen
bar jeder Vernunft glorifizierte. Ich kenne, abgesehen davon, was ich von Hubbard
erlebt habe, niemanden mit mehr Kompetenz, Intelligenz, Toleranz und Mitgefühl als
David Miscavige. Und ich habe schließlich die Führer der Führer getroffen, so die
Worte von Cruise.
Ist Scientology eine Sekte?
Die Gruppe ist zwanghaft mit Geld einbringen beschäftigt.


Jeder der schon einmal mit Scientology zu tun hatte weiß, dass ihre Kurse und
Beratungsdienstleistungen Geld kosten. Eine Menge Geld, da Kurse und Service mit
jeder Stufe teurer werden - trotz der gegenteiligen PR von Scientology, man könne
diese Dinge für wenig oder gar kein Geld machen.

Auf der Webseite von Scientology ist zu lesen, dass Gemeindemitglieder Spenden für
Auditing oder Training tätigen, welche sie erhalten wollen. Diese Beträge sind die
primäre Quelle der finanziellen Unterstützung und finanzieren alle von der
Organisation gesponserten sozialen Verbesserungs-Kampagnen. Es wird den
Anhänger nicht der Zehnte abverlangt, noch werden andere Spenden verlangt.

Jeder Anhänger ist sich durchaus bewusst, dass diese Aussagen nicht der Wahrheit
entsprechen. Ja, Mitglieder spenden für Kurse, Auditing und Training. Jedoch die
überwiegenden Beiträge setzen sich aus einer viel anderen Art von Spende
zusammen. Mitglieder werden permanent dazu aufgerufen, ihren Status zu erhöhen.
»ERREICHE NOCH HEUTE EINEN HÖHEREN STATUS!«, schreit es jedem Mitglied in
den internen Werbematerialen unablässig entgegen. Dazu verwendet Scientology in
den Aussendungen an ihre Mitglieder immer wiederkehrend manipulative Wörter wie
»Monumental«, »Gewaltig«, »Noch nie dagewesen« oder »Bahnbrechend«.   

Jedes Scientology-Mitglied steht unter intensivem Druck Mitglied auf Lebenszeit
(€ 5.000,-) der IAS zu werden und dann mit größeren Spenden laufend seinen
Ehrenstatus zu erhöhen. Der Status »Sponsor« (€ 10.000,-) ist die erste der IAS-
Ehrenstatusstufen, gefolgt von »Crusader« (€ 25.000,-) und »Patron« (€ 50.000,-).
Die Liste ist inzwischen lang und geht über viele weiteren Zwischenstufen wie »
Silver Meritorious« (€ 500.000,-), »Gold Meritorious« (€ 1 Million), »Patron Laureate
« (€ 10 Millionen) hinauf zum »Platinum Invictus« mit einer akkumulierten
Geldsumme von € 60 Millionen. 

Diese Spenden, welche in die Hunderte von Millionen
gehen, füllen ausschließlich die Kriegskasse der IAS,
die »Internationale Vereinigung von Scientologen«,
und sollen die Verbreitung von Scientology und ihrer
humanitären Projekte vorantreiben. Es gibt darüber
keine Rechenschaftspflicht oder Transparenz
jeglicher Art und Angesichts der Tatsache, dass
Scientology in diesen Tagen vielerorts nur
menschenleere Gebäude vorweisen kann, scheint
es nicht so, als das diese Beträge für irgendetwas
verwendet worden wären. Über das Verwirklichen
der erklärten Ziele von Scientology, die Gesellschaft
von Drogen, Analphabetismus, Verbrechen und
Wahnsinn zu befreien, gibt es keinen greifbaren Beweis. Jede Behauptung seitens
Scientology kann nicht unabhängig nagewiesen oder mit Fakten begründet werden.

Die IAS ist das absolute Schwergewicht unter den Geldeintreibern. Was man auch zur
eigenen Finanzlage angibt, die IAS-Mitglieder kennen immer einen Weg, wie man
noch mehr geben kann. Sie fragen nach der Kreditkartennummer und dem
Belastungslimit, sie »helfen« bei Kreditkartenunternehmen anzurufen. Sobald sie
dem Mitglied zur Erhöhung des Limits um 10k verholfen haben, wird die Karte mit
dieser Summe als Spende belastet. Schließlich ist man ein fähiges Wesen, und fähige
Wesen spenden großzügig.

Der Druck auf die Mitglieder, Geld heranzuschaffen, ist enorm und wird immer wieder
durch Sonderkollekten, Kreuzzüge, Spendenkampagnen, »Geburtstagsspiele« und
Ähnliches verschärft. Bei internen Veranstaltungen, Vorträgen oder
Videovorführungen wird regelmäßig zum kollektiven Spenden aufgerufen und es
kann durchaus vorkommen, dass die die Türen des Vortragssaales verschlossen und
bewacht werden. Keine Spende, kein nach Hause gehen.

David Miscavige hat Hubbards Werke in
den vergangenen 30 Jahren mit
Überarbeitungen und Änderungen versehen.
Alles unter der Verkleidung »es in der Art zu
machen, wie es Ron vorgesehen hat.«
Alte Materialen und Kurse wurden von Zeit
für Zeit außer Kraft gesetzt, nach dem
»Goldenen Zeitalter der Technologie« Phase I,
folgt binnen weniger Jahre das »Goldenen Zeitalter der Technologie« Phase II, und
Anhänger sahen sich gezwungen, bereits lange absolvierte Kurse bzw. das Auditing
nochmals zu absolvieren - und vor allem nochmals zu bezahlen, wenn sie nicht ihre
Zertifikate verlieren, oder in Ungnade fallen wollten. Ebenso wurden sämtliche
Bücher und Vorträge Hubbards »überarbeitet« und von jedem Anhänger wird
erwartet, diese upgedateten Materialen zu besitzen.


Die Glaubenslehre ist nicht frei einsehbar; es ist schwer, sich ein genaues
Bild zu machen. Du sollst nicht nachdenken und prüfen - das muss man
erleben.


Scientology verbirgt ihre Glaubenslehre nicht nur vor Außenstehenden, sondern auch
vor den eigenen Anhängern - auch wenn auf ihrer Webseite steht, dass die Schriften
in großem Umfang veröffentlicht und für jeden zugänglich sind. Fragt man einen
Anhänger, dann wird dieser sich vage äußern und wahrscheinlich dahingehend
ausweichen, dass man Scientology erfahren, spüren oder praktizieren müsse.
Scientology verkauft ihre Lehre stufenweise; Stück für Stück. Um die ganze
Kosmologie von Scientology zu erfahren, müssen Anhänger mehrere Hunderttausend
Euro bezahlen. Auch darf kein Mitglied, das eine bestimmte Erleuchtungsstufe schon
erreicht hat, darüber in der Öffentlichkeit sprechen, noch sie einem Interessierten
erzählen. Anhänger müssen den ganzen Weg hinauf zur »Brücke der völligen
Freiheit« drückende Verträge unterzeichnen. Zum Beispiel verpflichten sich
»Operierende Thetane« (OTs) eine sechsstellige Geldstrafe zu bezahlen, sollten sie
jemals irgendetwas aus den geheimen OT Stufen öffentlich machen.

Scientology präsentiert sich im Wesentlichen als Selbsthilfe, als anwendbare
Philosophie zur Verbesserung des Lebens, mit einem mystischen Überzug, die L. Ron
Hubbard von verschiedenen Quellen zusammengestellt hat. Sie glauben, dass das
Individuum ein unsterblicher Geist ist, den sie »Thetan« nennen, und der schon
unzählige Leben in den Millionen von Jahren, an verschiedenen Plätzen im
Universum, gelebt hat. Im Laufe dieser Zeit hat sich das geistige Wesen mit vielen
Verletzungen und Traumata beladen und einzig Scientology kann diese Blockaden
(genannt »Engramme«) durch ihre Beratungstechniken (genannt »Auditing«), unter
zu Hilfenahme eines einfachen Hautwiderstandsmessgerät (genannt »E-Meter«),
befreien, und das Individuum kann sein volles Potential und seine volle Fähigkeit
wiedererlangen.

Über das Zwischenziel »Clear«, der ersten Erlösungsstufe die rund 150.000 Euro
kostet, geht es zu den OT Stufen (bis zu OT VIII ergeben sich Kosten von 500.000 bis
zwei Millionen Euro, je nachdem wie viel Spenden Scientology zusätzlich von der
Person lukrieren kann). Der Thetan erlernt - so die Lehre - sich zu exteriorisieren,
also den Körper zu verlassen und damit verbunden die Herrschaft über das »MEST«
zu erlangen und dieses zu kontrollieren. MEST steht für Matter, Energy, Space und
Time (Materie, Zeit, Raum und Energie).

Auf Stufe OT III erfahren Anhänger über die Existenz von »Körperthetanen« -
unsichtbaren Wesen, die jedem Menschen anhaften und ihn ebenfalls darin hindern, 
sein volles Potential entfalten zu können. Nach dem Massengenozid vor 75 Millionen
durch den galaktischen Herrscher Xenu, haben die toten Seelen - ebenso mit
unzähligen Verletzungen und Traumata beladen - gewissermaßen die Lebenden
befallen. »Body thetans just hold one back«, schrieb Hubbard auf OT III.

Die nachfolgenden Stufen fokussieren darauf, sich von diesen »Körperthetanen« zu
befreien. Auf OT VII erfährt ein Anhänger, dass abertausende dieser Körperthetane
schlummernd an einem festsitzen. Viel zu viele für einen Auditor, wodurch man schon
auf OT VI darauf vorbereitet wird, sich selbst zu auditieren (Solo Auditing, ohne
Beteiligung eines Auditors). Die letzte Stufe OT VIII kann nur auf dem eigenen
Kreuzfahrtschiff der »Freewinds« gemacht werden.

Ab der Stufe OT VII muss jedes Mitglied zwei Mal in Flag, der Zentrale in Clearwater
(Florida), für die »6-Monats-Überprüfung« antreten. Die Kosten für die
Sicherheitsüberprüfung, Anreise, Unterkunft und Essen liegen bei zehn bis
fünfzehntausend Euro - und das zwei Mal jährlich. Um es zu verdeutlichen, für ein
scientologisches Ehepaar - angenommen aus Berlin -, wo beide bereits die Stufe
OT VII erreicht haben, ergeben sich dafür alleine Ausgaben von 50.000 Euro pro Jahr.   

Die Schriften rund um Xenu sind etwas, über das NICHT jeder Anhänger von
Scientology Kenntnis hat. Tatsächlich erreichen nur rund fünf Prozent diese Stufe, wo
sie darüber lesen. Somit haben die allermeisten Anhänger von Scientology absolut
keine Ahnung über was man spricht, wenn sie mit Xenu konfrontiert werden.

Das Haupt der Galaktischen Konföderation (76 Planeten,
größerer von hier aus sichtbarer Sterne) (gegründet
vor 95.000.000 Jahren, eine richtige Weltraumoper)
löste die Überbevölkerung (250 Milliarden oder so pro
Planet, 178 Milliarden im Durchschnitt) durch
Massenimplantierung. Er veranlasste, dass die Leute
nach Teegeeack (Erde) gebracht wurden und brachte
an den bedeutendsten Vulkanen Wasserstoffbomben
an (Ereignis II), dann wurden diejenigen aus den
Pazifikgebieten in Boxen nach Hawaii gebracht und
diejenigen aus den Atlantikgebieten nach Las Palmas
und dort "zusammengepackt". Sein Name war Xenu.
Er gebrauchte Abtrünnige. Verschiedene irreführende
Daten wurden mittels Schaltungen in die Implantate
eingebracht. Nachdem er sein Verbrechen vollendet
hatte, fingen ihn loyale Offiziere (gegenüber dem Volk)
nach sechs Jahren Kampf und steckten ihn in eine
elektronische Falle in einem Berg wo er immer noch ist.
'Sie' sind gegangen. Der Ort (Konföderation) war seither
eine Wüste.

Die Frage, die hier unweigerlich auftauchen wird: »Warum bringen Anhänger von
Scientology dieses Wissen nicht einfach in Erfahrung, wenn es frei im Internet
verfügbar ist und somit sprichwörtlich nur einen Mausklick weit entfernt ist?« Und
noch dazu, ohne einen einzigen Cent dafür ausgeben zu müssen?

Kurzum, Mitgliedern wird ständig eingeredet, dass eine vorzeitige
Auseinandersetzung mit diesen Informationen zu schweren körperlichen und
psychischen Schäden führen könnte. Unkontrolliertes Absolvieren der Level  könne zu
schweren Störungen und sogar zum Tod führen. Aus diesem Grund dürfen Menschen
des obersten Levels unter keinem Umständen ihr Wissen mit anderen teilen, die sich
weiter unter auf der Brücke befinden. OT III enthält eine Warnung, dass der R6
Implant »berechnet ist, jeden umzubringen (durch Lungenentzündung usw.), der
versucht, ihn zu lösen«.

Außerdem bringt Scientology ihre Anhänger zu dem Glauben, dass wenn sie
Scientology im Internet nachforschen, dann zerstört das ihre Chance auf ewige
Freiheit. Im Rahmen der Wir-gegen-Sie-Mentalität wird ein Scientology-Mitglied
ständig davon abgehalten, nach negativen Meldungen über Scientology Ausschau zu
halten. Das Internet ist kein legitimes Werkzeug für Informationen über Scientology
- einzig die offiziellen Webseiten von Scientology. Sich Informationen zu verschaffen,
die nicht von Scientology verbreitet werden - das macht ein praktizierender
Anhänger nicht.


Die Gruppe kontrolliert die Beziehungen; will, dass diese gegebenenfalls
abgebrochen werden, weil sie die Entwicklung behindern.


Scientology stellt den Kontaktabbruch (»Disconnection«, Das »Abbrechen der
Verbindung«) auf ihrer Webseite als selbstbestimmte Entscheidung einer Person, und
folgendermaßen dar:

»Ein Scientologe kann Probleme mit seinem spirituellen Fortschritt im Auditing oder
der Ausbildung haben, wenn er mit jemandem in Verbindung steht, der
unterdrückerisch ist oder Scientology und ihren Lehren feindlich gegenübersteht. Es
ähnelt sehr dem Umgang mit einem Verbrecher [...] die Gesellschaft entfernt den
Burschen und stecken ihn in ein Gefängnis, weil er sein Problem nicht bereinigt und
auch nicht mit seinen kriminellen Taten gegen andere aufhört.«

Wie so vieles in Scientology ist dieses Statement eine ihrer akzeptablen Wahrheiten
- bei genauerem Hinsehen nicht einmal das. Die Innendarstellung ist bei Scientology
zur Außendarstellung in den allermeisten Fällen genau entgegengesetzt.

Es ist offensichtlich das »Alleinstellungsmerkmal« von der »Elite« auf diesem
Planeten, von jenen, die einzig mit ihrer »Technologie« den Planeten vor dem
Untergang retten können, von jenen, die Kommunikation als universales Mittel zur
Lösung aller menschlichen Probleme sehen, von den Fähigsten der Fähigen, dass die
haushoch überlegenen Scientologen bei Kritik von einfältigen Wogs ihren spirituellen
Fortschritt in Gefahr sehen. Als hätte Superman Angst vor einer Stechmücke.

Da Scientology die Ähnlichkeit mit einem Verbrecher hervorhebt, was sind für die
Organisation kriminelle Taten? Im Richtlinienbrief »Angriffe auf Scientology« hält
Hubbard fest: »Es gab bisher keinen Angreifer, der nicht vor lauter Verbrechen
stank. Alles, was wir tun mussten, war nachzuschauen, und Mord kam
zum Vorschein.«

Personen oder Gruppen, die Scientology kritisieren oder angreifen, sind in der
Ideologie von Hubbard kriminell. Gemäß der scientologischen Technologie bedeutet
dies, dass sie schändliche Fakten und Bereiche zu verbergen haben - sie sind einfach
»geisteskrank«.

In der »Einführung in die Ethik der Scientology« führt Hubbard Folgendes aus:
»Wenn deshalb ein Mitarbeiter seine Produktion hinaufbringt, indem seine eigene
Statistik hervorragend ist, ist Ethik mit Sicherheit nicht interessiert […] Kurz gesagt,
ein Mitarbeiter kann sich alles erlauben (can get away with murder) solange seine
Statistik oben ist, und wenn sie unten ist, kann er nicht einem niesen, ohne einen
Hieb zu erhalten.«

Da Scientology als absolut wahr und vernünftig vorausgesetzt wird, gilt alles als
ethisch, was Scientology und ihren Zielen nützt, alles was ihr schadet dagegen als
unethisch. Scientologen mit hoher Statistik (die Berechnung dieser Statistik kann in
immer mehr Menschen, die angeworben wurden, bestehen, in hohen Geldspenden,
das Ansehen der Organisation verbessert oder gefestigt zu haben, etc.) genießen
somit den Schutz der Ethik von Scientology, womit selbst massivste Straftaten gegen
Gegner nicht als Verbrechen im Sinne der Scientology-Ethik bewertet werden. Der
Schutz der Technologie und damit des Systems hat Vorrang vor allem anderen.

Um diesen Schutz zu gewährleisten sind unter
anderem öffentliches Brechen mit Scientology,
öffentliche Aussagen gegen Scientology
oder Scientologen, genauso wie damit fortzufahren,
einer Person oder Gruppe anzuhängen, die zu einer
unterdrückerischen Person oder Gruppe erklärt worden
ist, ein Schwerbrechen. Das »Suppressive Person
Declare«, die scientologische Exkommunikation,
erklärt den »Schwerverbrecher« zur unterdrückerischen
Person und verpflichtet alle Scientologen, jeden Kontakt
zu ihm sofort abzubrechen.

Um es an einem Beispiel einer scientologischen Familie (Frau, Mann, zwei Kinder) zu
verdeutlichen: Begeht der Mann Schwerverbrechen, zum Beispiel er unterhält zu
einer von Scientology unterdrückerischen Person Verbindung, wird der mit dem SP-
Declare geächtet. Die Konsequenz daraus, Frau und Kinder müssen, wenn sie
weiterhin im guten Ansehen mit Scientology bleiben wollen, den Kontakt zu ihm
abbrechen. Natürlich muss auch das ganze soziale Umfeld, soweit es aus
Scientologen besteht, den Kontakt abbrechen. Tun sie das nicht, sehen sie sich selbst
der Ächtung ausgesetzt, was viele als noch schmerzlicher betrachten.

Nun mag das für einen Außenstehenden wie ein Glücksfall erschein, von solch einer
Organisation geächtet zu werden, allerdings löst dieser Gedanke für ein
hineingewachsenes Mitglied Panik aus. Seine »Ewigkeit« zu verlieren, die einzige
Garantie für fortgesetztes Überleben abhanden kommen, auf dem Weg zu völligen
Freiheit gestoppt zu werden, etc. Somit gibt es durch die extremen
Beeinflussungsmethoden von Scientology KEINE selbstbestimmte Entscheidung. Das
erste was man in Sekten verliert, ist seine Entscheidungsfreiheit.

Bei Familienmitgliedern, Freunden oder
Bekannten, die nicht an Scientology
beteiligt sind, und die eine kritische
Haltung gegenüber Scientology zeigen,
muss das Mitglied versuchen, eine neutrale
Haltung herbeizuführen. Sollte das nicht
gelingen, muss es sich ebenso von diesen
Menschen trennen. Die Mutter ist nicht zu
»handhaben«, der Preis dafür, Kontaktabbruch.
Dem Einzelnen wird vermittelt, er müsse für
sich erkennen, wer ihn eventuell daran
hindert, seinen Weg zur persönlichen Freiheit
in Scientology zügig voranzugehen. Vermittelt
wird aber darüber hinaus auch, dass alle, die sich kritisch mit Scientology oder dem
Wirken von Scientologen auseinandersetzen, unterdrückerisch tätig sind. Man
verpasst den Menschen den Stempel »unterdrückerisch« und der Kontakt zu ihnen
muss abgebrochen werden. Das System Scientology beschneidet das Recht auf freie
Meinungsäußerung und Informationsfreiheit ihrer Anhänger. So hält man Menschen
wie in einer Blase gefangen.

Ein Scientology-Mitglied darf durchaus mit Nicht- oder Exscientologen befreundet
sein, solange sie sich nicht gegen Scientology stellen. In diesem Fall wird
»erwartet«, dass man jede Beziehung zu dem Betreffenden abbricht, der als
unterdrückerische Person gilt.

Eine Sekte kann nur in einer Blase von positiven, kontrollierten Informationen
existieren und versucht die kritischen Informationen für jeden Anhänger zu
unterbinden. Eine legitime Organisation gesteht den Menschen die Freiheit zu,
eigenständig zu denken, zu lesen, was sie wollen, und mit jedem Beliebigen zu
reden, wohingegen eine Gruppe mit destruktiven Einfluss versucht, das Denken für
andere zu übernehmen. Religion zerbrechen keine Familien, trennt Mann von Frau
und Eltern von Kindern - Sekten machen es.


Einschüchterung und Schikanierung von Kritikern; Überwachung.


Zuständig für die Gefahrenabwehr von außen ist OSA, das »Office of Special Affairs«.
Nach außen wird verschwiegen, dass das OSA neben PR- und Rechtsangelegenheiten
für Scientology nach wie vor alle Funktionen eines Geheimdienstes ausübt. Zur
Abwehr der Gegner wird im Grenzbereich zur Illegalität operieret und
gegebenenfalls auch nicht vor kriminellen Aktionen zurückschreckt.

Wer auf die Gefahren, die von der Scientology-Organisation ausgehen, hinweist,
gerät unweigerlich in das Visier von OSA. Kritiker werden diffamiert, öffentlich
bloßgestellt, angezeigt und verklagt, bisweilen bedroht, belästigt und zur
Zermürbung auch psychisch gequält. Feindliche Propagandalinien wie
Enthüllungsberichte von Aussteigern oder kritische Äußerungen und Presse sollen
verhindert werden.

Heutzutage lässt OSA sensible und risikoreiche Operationen häufig von Profis - in der
Regel Privatdetektive - ausführen, die offiziell nicht in die Organisation eingebunden
sind. Diese arbeiten unter der Leitung von scientologisch geführten Anwaltsbüros,
die ebenfalls offiziell mit dem OSA bzw. Scientology nichts zu tun haben.

Scientology hat dabei zwei unterschiedliche Wege. Erstens die »geräuschvolle
Ermittlung«, welche auf Psychoterror basiert. Die Zielperson ist sich bewusst, dass
sie beschattet wird; ihr Leben soll unerträglich gemacht werden. Ebenso wird auch
auf Verwandte zu Hause oder auf deren Arbeit aufgelauert. Der andere Weg der
Überwachung ist exakt das Gegenteil - unsichtbar. Personen im Auftrag von
Scientology mieten sich in Häuser neben der Zielperson ein, sie platzieren sich in
entsprechender Entfernung mit Teleobjektiven oder sitzen in Restaurants neben ihr.

Obwohl Scientology vorsichtiger geworden ist, sind die bevorzugten Angriffstaktiken
gegen Gegner auch im deutschsprachigen Raum die gleichen geblieben:
Schmähartikel in der Scientology-Presse, sogenannte Informationsbriefe an
Personen des öffentlichen Lebens, offene und verdeckte Sammlung von
Informationen über Kritiker, Versenden von Briefen mit falschen Anschuldigungen
z.B. an Arbeitgeber von Gegnern, Verleumdungen, Drohungen, Einschüchterung durch
Anwaltsbriefe.

Der Umgang mit Kritikern ist im Richtlinienbrief »Angriffe auf Scientology« vom
25.02.1966 genau festgelegt:

Stimmen Sie NIEMALS einer Untersuchung von Scientology zu. Stimmen Sie NUR
einer Untersuchung der Angreifer zu. Folgendes ist das korrekte Verfahren.

1. Finden Sie heraus, wer uns angreift.

2. Beginnen Sie damit, ihn augenblicklich auf Begehung von KAPITALVERBRECHEN
oder Schlimmeren hin zu untersuchen; benutzen Sie unsere eigenen Fachpersonal,
nicht externe Agenturen. 

3. Verbinden Sie unsere Antwort mit einem Gegenangriff, indem Sie eine
Untersuchung des Gegners begrüßen.

4. Beginnen Sie damit, die Presse mit schockierenden Berichten von Blut, Sex und
Verbrechen mit tatsächlichen Beweisen über die Angreifer zu füttern.

Unterwerfen Sie sich niemals auf zahme Weise einer Untersuchung von Scientology.
Machen Sie es Angreifern hart, hart die ganze Strecke entlang. Ich spreche aus 15-
jähriger Erfahrung in diesen Dingen. Es gab bisher keinen Angreifer, der nicht vor
lauter Verbrechen stank. (1) Lokalisieren Sie eine Angriffsquelle gegen uns. (2)
Untersuchen Sie diese. (3) Entlarven Sie sie mit schockierender Publicity.

Mit der nicht mehr wegzudenkenden Bedeutung des Internets rollt Scientology
deutlich sichtbar Hetz- und Verleumdungswebseiten über ehemalige Anhänger und
Kritiker aus. Es wird in Werbung und Google AdWords-Kampagnen investiert, um bei
den Suchergebnissen zu den jeweiligen Namen ganz oben zu stehen, um so den
Suchenden auf ihre eigene »Faktenseite« umleiten zu können.

Es werden auf Twitter bezahlte Anzeigen
geschaltet, um bekannte Aussteiger und
Kritiker zu diskreditieren. Für Leah Remini,
und rund um ihre Enthüllungsserie
»Scientology and the Aftermath«, sicherte
sich Scientology 50 Domains mit
verschiedensten Namenskombinationen.

OSA überwacht ebenso Online-Medien 24/7/365 auf kritische Artikeln (hier wird
durch Postings in den Kommentar-Bereichen versucht, die Meinung im Sinne von
Scientology zu beeinflussen), sowie sämtliche Anti-Scientology-Blogs und
Aussteigerforen und hat eine Art »Social Media-Polizei«. Mitarbeiter von OSA
gehören zu den ganz wenigen Scientologen, die sich öffentlich zu Kritikern äußern
dürfen.

Wer sich als Mitglied unter dem Radar befindet, sozusagen alle Aktivitäten
eingestellt hat, aber noch Familienangehörige innerhalb der Organisation hat, und
sich in einem Aussteigerform Luft über Scientology verschaffen will oder nach Hilfe
sucht, und unbedacht zu viele Informationen von sich preisgibt, kann sich sicher sein,
dass in OSA identifizieren wird und er das SP-Declare erhält.

Wer als Mitglied in einem sozialen Netzwerk wie Facebook unbewusst mit einer
unterdrückerischen Person befreundet ist wird aufgefordert, diese Verbindung zu
beenden. Wer eine unterdrückerische Person oder Gruppe mit »Gefällt mir« versieht,
wird dem internen Kontrollsystem, der Ethik, zugeführt. In der die Ethikabteilung,
die es überall in der Welt, in allen Organisationen gibt, greifen Ethik-Officer bei
festgestelltem Fehlverhalten ein. Abweichler, Andersdenkende und sich kritisch
Äußernde geraten sehr schnell in die Ethikabteilung der Scientology und die Strafe
kann mit einem SP-Declare enden.

Wer ein SP-Declare erhält kann sich sicher sein, dass auf sozialen Netzwerken über
Nacht von 250 scientologischen Freunden oder Geschäftskunden nur mehr eine
Handvoll übrigbleibt, welche sich dann wiederum selbst der Ethik von Scientology
ausgesetzt sehen. 

Mit dem System »Wissensberichte« hat Scientology ein Denunziantentum im großen
Stil verankert. Kurz gesagt: Jeder Scientologe bespitzelt jeden Scientologen und
berichtet darüber. Wer nicht darüber berichtet, macht sich zum Mitschuldigen. Ein
Anhänger kann nicht in eine Buchhandlung gehen, um sich zum Beispiel ein
Scientology kritisches Buch kaufen, ohne sich fürchten zu müssen, gesehen und
anschließend angeschwärzt zu werden. Dann sieht er sich quengelnden Fragen
ausgesetzt, oder muss sich einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen, die er noch
selbst bezahlen darf. Öffentlich gegen die Gruppe aufzutreten, auch wenn es noch so
berechtigt ist, ist in Scientology ein Schwerverbrechen und führt umgehend zum
Ausschluss (mit allen daraus resultierenden Konsequenzen). Kein Anhänger soll sich
sicher fühlen, wenn er Aktionen unternimmt, die Scientology schaden.

Katholiken, oder Angehörige anderer legitimen Konfessionen, können unter
einander, oder mit ihrem Priester, frei über unangenehme Dinge wie zum Beispiel
den Missbrauch in ihren Reihen sprechen. Mitglieder von Scientology dürfen negative
Dinge in ihrer Gruppe nicht einmal erwähnen, da das »Verbreiten von Entheta« strikt
verboten ist und dann bei jedem Beteiligten die »Ethikmaschinerie« ins Rollen
kommt: Berichte schreiben, Verhöre, etc.  Anhänger leben in einer Welt voller Angst,
die den kritischen Verstand lähmt.

Das Kunstwort »Entheta« bezieht sich in Scientology besonders auf
Kommunikationen, die laut Definition auf Lügen und Verwirrung aufgebaut sind, um
eine Gruppe zu unterdrücken. Entheta ist im Grunde jede negative Äußerung
gegenüber Scientology, Hubbard oder dem derzeitigen Anführer David Miscavige.
Jedoch haben Wahrheit und Lügen faktisch damit nichts zu tun. Ist es Anit-
Scientology, ist es gleichermaßen Entheta - auch wenn es auf Fakten basiert und der
Wahrheit entspricht. Ein Anhänger kann nicht einmal sagen, dass die ständig zu
hörende »noch nie dagewesene Expansion« in ihrer ansässigen Organisation nicht
stattfindet, weil es Entheta ist.

Scientology-Mitglieder tun ihr Bestes, um sich selbst von Entheta - negativen
Informationen über die Organisation - abzuschirmen. Sie wurden indoktriniert,
Entheta nicht anzuschauen, zu lesen oder zu glauben. Es ist eine gewaltig
erschaffene Filterblase, die einzig Informationen seitens Scientology durchlässt und
alles andere als »Lüge« abblockt.

So verließ die anwesende Schauspielerin
und Scientologin Elisabeth Moss bei der
33. Verleihung der TCA Awards in
Los Angeles den Raum, als Leah Remini
für ihre Dokureihe »Ein Leben nach
Scientology« prämiert wurde, und kam
erst wieder, als Remini ihre Rede beendet
hatte. Das Paradoxe an der Sache ist,
genau diese Menschen bezeichnen sich selbst als die einzige Hoffnung der
Menschheit diesen Planeten retten zu können, als selbsternannte Meister
Unterdrückung konfrontieren und zerschlagen zu können, aber bei einer kleinen
Rede eines früheren Mitglieds laufen sie davon und verstecken sich.


Bestrafungssystem.


Wer dem Ansehen von Scientology schadet oder als Mitarbeiter Fehler macht, muss
Wiedergutmachung leisten. Publics können sich beim Aufschreiben ihrer »Overts«
(scientologischen Verfehlungen; Sünden) wiederfinden oder bei Zahlung von
Strafgeldern - dem Kauf von Scientology-Materialen, die dann an anderen Stellen
verschickt oder verteilt werden.

Scientology-Mitarbeitern werden, je nach Einstufung des Fehlverhaltens, niedrige
Zustände wie »Belastung«, »Verwirrung« oder »Verrat« zugewiesen. Diese
Zustandszuweisungen können durch das Leisten von Wiedergutmachung, in Form von
gemeinnützigen Arbeiten, die Teilnahme an zusätzlichen Kursen, Geldspenden, etc.,
auch wieder verlassen werden. Aus dem geleakten E-Mail-Verkehr der Wiener
Organisation geht hervor, dass eine hochschwangere Frau, die während der
Dienstzeit ihren Posten wegen einer akuten Schwangerschaftsvergiftung verlassen
hat, der Zustand »Verrat« (Assignment of Treason) zugewiesen worden ist.

Für Mitarbeiter der paramilitärischen Sea Org,
die sich für eine Milliarde Jahre dienstverpflichten
(in Zah­len: 1.000.000.000 Jahre) gibt es das RPF.
Unter dem unverfänglichen Namen
»Rehabilitation Project Force« (RPF) befindet sich
in jedem Sea Org-Zentrum ein Gulag ähnliches Straf-
bzw. Umerziehungslager. Diese Strafabteilung ist für
alle gedacht, die den Maß- oder Vorgaben nicht
ent­sprechen und mit dem Abweichler auf Spur
gebracht werden sollen. Wenn jemand in das RPF
kommt, dann bleibt er normalerweise jahrelang dort.

Die Strafen innerhalb des RPF sind drakonisch: soziale Misshandlung wie das Tragen
von Armbinden, Be­schränkung der Kommunikation (man darf nur sprechen, wenn
man angesprochen wird), stets im Laufschritt, mangelhafte Ernährung, schlechte
Hygi­ene und ärztliche Versorgung, schlechte Schlafbedingungen, körperlich schwere
Arbeiten, stundenlange Auditing-Sitzungen, erzwungene Beichten,
Sicherheitsüberprüfungen, Appelle.

Hochrangige Führungskräfte der Organisation finden sich, auf dem Gelände des
international Hauptquartiers der Organisation in Kalifornien (160 km östlich von Los
Angeles), unter menschenunwürdigen Bedingungen im »The Hole« eingesperrt.
Türen und Fenster sind mit Gittern versehen, der Boden voller Ungeziefer müssen
dort Insassen über Jahre hinweg wohnen und schlafen.

Selbst wenn die Polizei mit »Jeder ist frei, und darf gehen!« in diesen Strafeinheiten
aufkreuzen würde, die Indoktrination von Scientology ist so immens, dass so gut wie
jeder »Was soll das bedeuten? Wir sind freiwillig hier!« sagen würde.

Die Organisation beutet ihre Mitarbeiter gnadenlos aus, bezahlt ihnen
durchschnittliche rund 100 Euro im Monat. Wenn sie im Alter Sozialfälle werden,
muss die Öffentlichkeit für sie aufkommen. Wer als Mitarbeiter keinen finanziellen
Rückhalt durch Angehörige (Partner, Familie) hat, muss unweigerlich
»moonlighten« gehen. In Scientology bedeutet es, dass die Mitarbeiter einer Org ihr
äußerst mageres Salär aufbessern, indem sie nachts (oder auch am freien Tag) in der
»Wog-Welt« arbeiten gehen. Angehörige der Sea Org erhalten noch viele weniger.

Anfang Mai 2017 veröffentlichte das FBI ein 285-seitiges Dossier über erfolgte
Ermittlungen gegen Scientology in den Jahren 2009/2010, welche die Organisation in
der Öffentlichkeit stets vehement abgestritten hat, und die 2010 ohne
Strafverfolgung plötzlich eingestellt wurden.

Einblicke in die FBI-Dokumente: Bezahlung weniger als 50 Dollar die Woche,
manchmal über Monate auch gar nichts. Überwachung der Telefonate und des
Mailverkehrs. Begrenzter Zugang zu medizinischer Versorgung. 16-stündige
Arbeitstage, sieben Tage die Woche. Der Bewegungsradius der Arbeiter wird durch
Zäune, Kameras und Wachen begrenzt und kontrolliert. Inhumane Bestrafungen. Eine
Vielzahl von erzwungenen Abtreibungen, sodass eine Klinik in der Nähe besorgt
wurde. Konfiszierung von Reisepässen. Die Bedrohung durch »Schmarotzerschulden«
(freeloader debt; Mitarbeiter erhalten Kurse, Training oder Auditing zu ermäßigten
Preis und wenn diese den Arbeitsvertrag vorzeitig quittieren, wird ihnen die
Differenz zum vollen Preis präsentiert.

Menschenhandel ist eine Straftat und schwere Menschenrechtsverletzung. Zu den
Formen der Ausbeutung, die unter »Menschenhandel« fallen, gehören insbesondere
Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft aber auch genauso die Abnahme von Reisepässen
oder anderen offiziellen Dokumenten. Gemäß den Schätzungen des FBI gibt es
möglicherweise 1.000 betroffene Opfer von Menschenhandel in der Sea Org von
Scientology. Tom Cruise ist jemand, der privat aktiv von Arbeiten der Sea Org-
Angehörigen partizipiert hat und genauso wie John Travolta über die Vorgänge in
der Sea Org und deren Bestrafungen Bescheid weiß.
Umgang mit Aussteiger und Opfer.


»Leute hauen nur wegen ihrer schädlichen Handlungen und Verstöße (gegen eine
Gruppe) ab«, schrieb L. Ron Hubbard. Somit werden Aussteiger in der Denkweise von
Scientology per se als Kriminelle gesehen. Sollte einem glühenden Anhänger in
einem Moment doch Zweifel an der Beteiligung in Scientology kommen, dann setzt
mit »ich muss irgendwann, sei es in diesem oder einem anderen Leben, ein
schädliche Handlung gesetzt haben« sofort ein Rückkoppelungseffekt ein. Ein
Teufelskreis, der sich im Kopf abspielt, denn durchgängig wird immer wieder im
Kurssystem vermittelt, dass die Fehler nur bei einem selbst liegen - Hubbards Worte
sind unfehlbar. Mit ein Grund, warum nur wenige den Weg hinaus schaffen, und
mindestens in der ersten Phase nach dem Ausstieg starke Verratsgedanken oder -
gefühle entwickeln.

Von Scientology werden die Aussteiger als »Apostaten« (Abtrünnige) bezeichnet,
deren Aussagen wertlos seien, weil sie »hasserfüllt« herzögen.

Für diejenigen Aussteiger, die in der Öffentlichkeit ihr Schweigen brechen, hat
Scientology Standard-Argumentationen parat: Verbittert und selbstsüchtig,
unersättliches Verlangen nach Aufmerksamkeit, den früheren Glauben als Publicity-
Stunt nutzen zu wollen, auf Kosten von Scientology Geld verdienen zu wollen, oder
individuelles Versagen und persönliche Probleme werden dadurch kompensiert, dass
der ehemaligen Religionsgemeinschaft die Schuld dafür gegeben wird. Kurz die
Argumentation zusammengefast: ganz egal wie lange jemand bei Scientology war
und welche hohen Posten er hatte, die Erfahrungen dieser Personen stimmen NIE!

Wenn Scientology - oder eine andere religiöse Gruppe - damit argumentiert, dass
Personen die ausgestiegen sind versagt haben, dann scheint offensichtlich bei ihnen
Glaube etwas mit Leistung und mit Leistungsdruck zu tun zu haben. Menschen, die
für sich erkannt haben, dass die Gruppe in Wahrheit völlig anders ist wie es ihnen
dargestellt wurde, derartig abzukanzeln indem man sagt, dass sei ja nur aus
Frustration und Verbitterung heraus, und das Ganze noch zu pauschalieren und für
alle Aussteiger geltend zu machen, zeigt ein Stück weit das Mindset von Scientology.

Wie rachsüchtig Scientology ist, stellt die Geschichte rund um Brandon Reisdorf dar.
Wuterfüllt, dass Scientology seine Familie auseinandergerissen hat, warf Brandon
einen Hammer durch die Fensterscheibe einer Scientology-Organisation. Ein Akt von
Vandalismus, wo niemand verletzt wurde. Scientology allerdings drängte auf eine
Anklage für den Tatbestand eines Schwerverbrechens. Reisdorf wurde zu einer
mehrjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Andere Kirchen machen mit Vergebung
und Dialog, bei vergleichbaren Vorfällen, genau das Gegenteil. 

Noch bevor der ersten öffentlichen Ausstrahlung (und ohne den Inhalt zu kennen!),
des später mit drei Emmys ausgezeichneten Dokumentarfilms »Scientology: Ein
Glaubensgefängnis«, schaltete Scientology in diversen Zeitungen ganzseitige und
großangelegte Diffamierungskampagnen gegen den Film.

Nach jeder Episode der Dokureihe »Leah Remini: Ein Leben nach Scientology«
errichtet Scientology in Minutenschnelle eine Hass-Seite im Internet, um diese
mutigen Menschen zu diffamieren. Jede einzelne Person, welche ihre Geschichte über
Missbrauch erzählt, wird von Scientology als Lügner oder Schlimmeres bezeichnet.
Auf diesen Seiten werden die zu Wort kommenden ehemaligen Mitglieder in Videos
roboterhaft denunziert - sogar von den eigenen in der Organisation verbliebenen
Familienmitgliedern. Unter anderem mit Informationen, die Privatdetektive über sie
ausgegraben haben bzw. mit pikanten Einzelheiten, die sie selbst im Auditing
preisgegeben haben, da alles Gesagte im Auditing notiert wird.

Das Beschuldigen von Opfern ist das Schlimmste, was man tun kann. Aber
Scientology hat kein Schamgefühl auch das zu unterbieten, keine Selbstreflexion und
nicht die Fähigkeit zur Selbstkorrektur. Immer in der Anwendung der Richtlinie:
»Niemals verteidigen. Immer angreifen.«

Vergleichbar sind diese kritischen Aufdeckungsfilme- bzw. Reihen über Scientology
mit Filmdramen wie »Verfehlung« und »Spotlight«, wo der sexuelle Missbrauch und
deren Vertuschung in der katholischen Kirche thematisiert wird. Unbestritten sind
Vorgänge in der katholischen Kirche abscheuliche Verbrechen. Andererseits geht die
katholische Kirche nicht so weit, um ihre Opfer auch noch anzugreifen. Kirchen
wurden für Drehorte zur Verfügung gestellt, und fand positive Worte für einen Film.

Scientology hat auch keine Skrupel davor, ein in ihren Reihen vergewaltigtes 14-
jähriges Mädchen als »sexuelle Aggressorin« hinzustellen. Außerdem ist jedes Opfer
prinzipiell selbst schuld, denn in Scientology herrscht das Konzept vom »Anziehen«
vor. Wem etwas Schlimmes passiert, der hat in seiner Vergangenheit selbst etwas
Schlimmes getan und es somit ähnlich wie schlechtes Karma angezogen. Und die
Vergangenheit in Scientology beruht nicht nur auf der derzeitigen Lebenszeit,
sondern es sind die unzähligen Leben, die der »Thetan« schon gelebt hat. Folglich
wird das Opfer dazu angehalten, am E-Meter seine früheren Leben nach bösen Taten
zu durchsieben, welche die Misshandlung in diesem Leben verantworten würden.       

Scientology kann sich niemals einen Fehler eingestehen. Notfalls werden
Millionenbeträge in die Hand genommen, um die Sache zu regeln. Bei Lisa
McPherson, die in der Obhut von Scientology im »Introspection Rundown« starb,
waren es rund 30 Millionen Dollar, um sich strafrechtlich reinzuwaschen. Es gibt auch
keine Veränderung in Scientology - keinen Millimeter. Die Lehre ist unveränderbar
festgeschrieben und jeder Schritt zur Erlösung ist exakt vorgegeben.

Einen Aufschrei nach Skandalen, und eine damit verbundene Austrittswelle von
Anhänger, wie zum Beispiel in der katholischen Kirche rund um den Limburger
»Prunk-Bischof« Tebartz-van Elst, sucht man in Scientology vergebens, obwohl
Anführer David Miscavige ebenso in Luxus lebt und in den Medien negative Berichte
am laufenden Band zu sehen sind.

Abgesehen davon, dass Scientology oftmals alle Hebel - Telefonate, Mails, Besuche,
Einladungen - rigoros in Bewegung setzt, um den verlorenen Sohn oder die
abtrünnige Tochter wieder zurückzuholen, wer Scientology seine Daten bei einem
flüchtigen Kontakt preisgibt, der kommt so schnell nicht mehr aus ihrer
Kundenkartei, und kann noch nach fast vierzig Jahren einen »Liebesbrief« von ihnen
erhalten. 


Schwindel mit aufgeblasenen Zahlen, um Bedeutung zu suggerieren


Die früher immer wieder vorgebrachten Zahlen von 8, 10 oder 12 Millionen
Anhängern entsprechen bei Weitem nicht der Tatsache. In den letzten Jahren ist
Scientology dazu übergegangen, weniger spezifische Zahlen zu nennen. Nun wird
sorgsam auf »die Millionen« verwiesen.  

Nationale Zählungen zur Religionszugehörigkeit, in für Scientology wichtigen
Ländern wie den USA, Australien und Großbritannien, sowie ehemalige
Führungskräfte, bringen im Wesentlichen deckungsgleiche Daten hervor. Demnach
bewegt sich die weltweite Anhängerzahl von Scientology in einer Bandbreite von
25.000 bis 40.000 (Österreich: 350, Schweiz: 900, Deutschland: 3.000).

Die stereotyp behauptete Expansion, Scientology sei »die am schnellsten wachsende
Religion im 21. Jahrhundert«, lässt sich weltweit nicht bestätigen. Im Gegenteil, es
gibt einen durchaus feststellbaren schleichenden Mitgliederschwund. Der Begriff der
sprichwörtlichen potemkinschen Dörfer ist passend.

Die gerne zitierten »mehr als 11.000 Kirchen, Missionen und angeschlossenen
Gruppen« erweisen sich in der Realität nur als heiße Luft. Die eigenen Statistiken -
und Scientology ist hochgradig statistikbesessen - zu dem alljährlichen
»Geburtstagspiel« bilden die Zahlen präzise ab. Demnach gibt es weltweit rund 150
aktive Orgs (Abkürzung für Organisation, mit der eine Scientology Kirche gemeint
ist) und 325 aktive Missionen. 

Des Weiteren darf man sich auch nicht von den Presseerklärungen wie »Scientology
hat 37 neue Kirchen in den letzten Jahren eröffnet« in die Irre führen lassen. Es
wurden fast ausschließlich alte Gebäude durch neue, größere ersetzt, oder alte
Gebäude wurden renoviert und wiedereröffnet. Dieser Eins-zu-eins-Austausch wird
den Anhängern als Expansion vorgegaukelt. Fakt ist, die einzige Expansion findet nur
im Immobilienportfolio von Scientology statt.

Seit über einem Jahrzehnt betreibt Scientology das Projekt zur Schaffung von
prunkvollen Zentralen, sogenannten »Idealen Orgs«. Kurz gesagt, mit den
»Idealen Organisationen« möchte Scientology ihre Standorte vom 1 bis 2-Sterne-
Bereich in den 4 bis 5-Sterne-Bereich heben. Solche Vorzeigzentren sollen über den
wahren Zustand der Organisation hinwegtäuschen. Finanziert wird dies durch
rigorose und jahrelange Spendenkampagnen. Als Gegenleistung suggeriert
Scientology ihren Anhängern, dass bildlich gesprochen sich nach der Eröffnung der
neuen Repräsentanz gleichsam die Schleusen für eine Expansion öffnen, die
Menschen in die »Ideale Org« strömen und ihnen die Bücher von L. Ron Hubbard
sozusagen aus den Händen gerissen werden. Und diese Verheißung lässt Mitglieder
tief in die Tasche greifen, betrachten sie sich doch als Elite deren Aufgabe es ist, die
Gesellschaft einzig mit der »Technologie« von Scientology retten zu können.














Um ein Gefühl zu bekommen welche gigantischen Summen Scientology von ihren
Anhängern lukrieren kann. Für die Errichtung des »Super Power Building« in
Clearwater hat Scientology ungefähr 200 Millionen US-Dollar gesammelt. Für Wien
ist gleichfalls seit mindestens 2010 eine »Ideale Org« in Planung und bei Kosten von
mehreren Millionen wird jeder Anhänger in Österreich durchschnittlich den
Gegenwert eines Kleinwagens beitragen müssen.


Die Gruppe präsentiert ihre Doktrin als wissenschaftlich fundiert.


Um 1952 führte Hubbard in sein Therapiekonzept ein bis heute wesentliches
Markenzeichen von Scientology ein, das E-Meter. »Das E-Meter irrt sich nie […] das
E-Meter hat immer recht«, sind die überlieferten Worte von L. Ron Hubbard. Auditing
stellt die zentrale Praktik von Scientology dar. Dabei wird das E-Meter verwendet,
ein einfaches Elektrogalvanometer. Hubbard hat das Verfahren der Messung von
Veränderungen des elektrischen Hautwiderstandes als metaphysisches
Analyseinstrument interpretiert, mit dessen Hilfe man vergangene Leben sichten
könne. Scientologen behaupten, dass das Gerät Gedanken lesen könne. Deswegen ist
es im Hinblick auf Scientology und ihre Nutzung des Hautgalvanometers wichtig, sich
über die Reichweite des Messens klar zu sein: es kann faktisch nur die Intensität
einer Emotion in Erfahrung gebracht werden, aber nichts über ihre inhaltliche Seite.

Man hält zwei Blechbüchsen, die mit dem
E-Meter verbunden sind und wird durch
Anweisung des Auditors und ständiges
Wiederholen in einen hypnoti­schen
Zustand geführt. Der Auditor bedient
das Gerät, um Engramme zu beseitigen.
Ebenso könnten durch die Arbeit mit
dem E-Meter Körperthetanen entdeckt
und bekämpft werden. Durch das Auditing
mit dem E-Meter könne man zu einem Clear
werden, der seine ihn behindernden
Engramme verloren habe.

Es gibt keinen Zweifel darüber, dass der Prozess von Auditing einen Effekt
verursachen kann. Das Auditing von Scientology reicht tiefer als übliche
Psychoanalyse oder Gesprächstherapie, weil es sich Formen von Hypnose zu Nutze
macht. Die erlebten Emotionen in diesen Sitzungen sind real, genauso wie Hypnose
real ist, oder Psychotherapie. Das liegt daran, dass die kognitive Wahrnehmung real
ist, und diese kann sich zu Nutze gemacht und manipuliert werden. Auditing ist im
Zentrum der Aufmerksamkeit von Scientology weil es dieses Gefühl der »Erleuchtung
oder Erkenntnis« hervorruft, und somit einen Menschen überzeugen kann, dass die
Methoden richtig sein müssen - Scientology funktioniert, oder doch nicht?

Immer wieder stößt man bei Anhängern auf ihre Beharrlichkeit, dass »Scientology
funktioniert!«. Selbst Anhänger müssen zugeben, dass ein Clear oder ein OT, so wie
es Hubbard versprochen hat, noch nie erreicht wurden. Scientology soll für jeden
Menschen Stufe um Stufe größere Fähigkeiten und Macht bringen. Mit anderen
Worten, Anhänger wissen das Scientology nicht das liefert, was ausführlich von
Hubbard versprochen wurde. Und dennoch bestehen sie darauf, dass Scientology
funktioniere.

Es werden hier einfach die Aussagen »Es macht etwas.« und »Es funktioniert.«
durcheinandergebracht. Wie etwas oberhalb schon geschrieben, die Vorgänge von
Scientology bewirken etwas; sie können für eine Person einen Effekt erzeugen, der
sich temporär für sie gut anfühlt. Allerdings beutet das nicht, dass Scientology
funktioniert. Funktionieren bedeutet vorhersagbare, beständige und zuverlässige
Resultate - Scientology bringt nichts davon hervor.

Nehmen Interessierte erstmalig am Auditing teil, dann machen sie sich selbst
empfänglich für Beeinflussung, und können so zum Glauben gebracht werden, dass
Scientology funktioniere und alles ihre Richtigkeit hätte. Hypnotische Prozesse sind
ein mächtiges Instrument, um jemanden für Veränderung zu öffnen, ein
»Aha-Erlebnis« zu erzeugen, und so den Schutzmechanismus eines Menschen zu
umgehen. Hypnosepsychotherapie ist eine zulässige Therapieform, allerdings
bestreitet Scientology kategorisch, dass Auditing auch nur irgendeine Form von
Hypnose benutze.

Das Auditing keinesfalls mit traditioneller Psychotherapie gleichgesetzt werden
kann, wo die beträchtlichen Unterschiede liegen, warum der Begriff
Pseudowissenschaft der Dianetik noch schmeichelt, und warum Auditing eine
geistige Selbstsabotage epischen Ausmaßes ist, kann hier nachgelesen werden.
Außerdem gibt es am Beispiel des Filmdramas »The Master« ein sehenswertes Video,
wie Scientology »funktioniert«.

Es ist oberflächlich und ohne Hintergrundwissen einfach dahingesagt, »Scientology
sei nicht seltsamer als andere Religionen auch.« Und das Hubbards Märchen einfach
nur jünger sei, als andere Glaubensrichtungen.

Wer Scientology als ein reines wirtschaftliches Modell sieht, das sie unbestritten
partiell auch sind, muss die Frage beantworten, ob irgendein
Wirtschaftsunternehmen auch eine neue Zivilisation erschaffen will, wie es das Ziel
von Scientology ist. Welches Wirtschaftsunternehmen will das Bildungssystem
übernehmen, die Psychiatrie vernichten oder den Sektor der Drogen- und
Strafrehabilitation unter Kontrolle bringen?

Aber welche Konfession hat einen eigenen Geheimdienst? Bestimmt mit wem man
Kontakt haben darf und mit wem nicht? Was man lesen darf und was nicht? Reißt
Familien auseinander? Ruiniert durch extremes Fundraising finanziell ihre
Mitglieder? Welche Glaubensrichtung zerstört mit Schikane, Belästigung, Hetze und
Prozessen und durch ihre unbegrenzten Geldmitteln Menschenleben? Welche
Weltanschauung basiert auf einem Taschenspielertrick, der ein elektrisches Geräte
verwendet, um neue Anhänger von ihrer Wissenschaftlichkeit und Legitimität zu
überzeugen? Welche Konfession verbirgt ihre Lehre vor Außenstehenden und sogar
vor den eigenen Mitgliedern? Haben Sicherheitsüberprüfungen und Straflager? In
welcher Kirche herrscht eine derartige Konformität, gegenseitige Überwachung und
absolute Kritiklosigkeit vor? Welche Religion bringt ihre Mitarbeiter dazu, für sie
unermüdlich - teilweise über 100 Stunden die Woche - für einen Hungerlohn zu
arbeiten? Welche Kirche gibt jährlich zweistellige Millionenbeträge für Anwälte,
Privatdetektive, Diffamierungskampagnen und Geheimhaltungsverträge aus?

Scientology ist viel, viel mehr als nur einfach eine »neue religiöse Bewegung« oder
eine »unpopuläre Religion«. Scientology nimmt Menschen seelisch gefangen, ohne
dass diese selbst es richtig merken. Deshalb müssen sich die Maßnahmen gegen das
System Scientology richten, nicht gegen den einzelnen Scientologen, der oft nicht
Täter, sondern selbst Opfer der totalitären Organisation ist. L. Ron Hubbards Worte
stehen für jeden Anhänger über allem, und beeinflussen die Verhältnisse zu anderen
Menschen. Opfer von Scientology sind oft nicht nur die Anhänger, sondern auch die
Familien. Eltern leiden oft viele Jahre, oder sogar Jahrzehnte, unter der Entfremdung
ihrer Kinder.

Scientology-Anhänger sind an der Oberfläche ganz normale Menschen, wirken sehr
freundlich und emphatisch, aber hinter dieser Projektion liegt eine tiefe Feindlichkeit
und Verachtung der Menschen in der »Wog-Welt«. Nie und nimmer würde ein
Mitglied offenbaren, dass er durch Angst oder Machtlosigkeit kontrolliert wird, oder
dass sein Lebensglück von Scientology abhängig ist. Erst wenn man mit
scharfsinnigen und gezielten Fragen tiefer gräbt, lässt sich herausfinden, dass es zum
Beispiel Anhänger in Schrecken versetzt, nicht die »Brücke zur völligen Freiheit«
hinaufzuschaffen. Eine Vielzahl der Anhänger fürchtet sich zutiefst vor der
Psychiatrie, obwohl sie selbst noch niemals einen Psychiater oder Psychologen
persönlich getroffen haben und keine Ahnung haben, wie moderne Psychiatrie
aussieht.

Die Phobien und Abhängigkeiten, welche in das Glaubenssystem von Scientology
eingebaut sind, sind zahlreich, wenngleich diese Kontrollmechanismen für Anhänger
nicht offensichtlich sind. Angst vor dem Kontaktabbruch, Angst vor der
scientologischen Ethik, Angst die Technologie zu hinterfragen, Angst Overts
(schädliche Handlung/Verstoß) oder Withholds (ein nicht bekannt gemachter
Verstoß) zu begehen, Angst nicht genug Verantwortung für die Klärung des Planten
zu übernehmen, Angst ohne Scientology in der Außenwelt überleben zu können,
Angst verbotene Literatur zu Gesicht zu bekommen oder zu hören, etc.        

Totalitäre Sekten sind real, sie benutzen reale Täuschungs- und unzulässige
Beeinflussungstechniken um Menschen zunächst zum Einstieg zu überzeugen und in
der Gruppe zu halten. Sekten installieren mannigfaltige Ängste um enorme
Geldsummen, Arbeitsleistung und Zeit für ihre »Sache« von der Person
herauszubekommen, und wenn diese nicht mehr länger nützlich ist, oder beginnt
kritisch zu hinterfragen was zum Teufel hier vor sich geht, sie einfach wieder
loszuwerden.  

Am Ende gibt es darüber wirklich keine Frage:

Scientology ist eine totalitäre Sekte. Für den eigenen Verstand, für
das eigene Bankkonto und die eigene Gesundheit sollte man
Scientology so weit weg wie nur möglich bleiben.