Erschaffung einer gefährlichen Umgebung

Eine Beharrlichkeit von Hubbard ist, dass die Ethik der Scientology "eine sichere Umgebung
erschafft". Für einen Anhänger klingt das natürlich großartig. Wer möchte nicht in einem
Umfeld leben, wo man vor Gefahren, Ungerechtigkeiten, Gewalt und so weiter sicher ist?

Viele ehemalige Mitarbeiter von Scientology wissen jedoch zu berichten, dass sie ständig der
Gefahr von Belästigung, Unrecht und Missbrauch ausgesetzt waren.

Hubbard hatte gezielt eine andere Vorstellung, wie sich eine "sichere Umgebung" darstellt und
die Rolle von seiner Ethik, um dieses Ziel zu zerreichen:

Die gefährliche Umgebung der Wog-Welt, der Ungerechtigkeit, plötzliche Entlassungen und
Kriege werden nur dann weiter bestehen und uns Schwierigkeiten machen, wenn wir es
versäumen, unsere sichere Umgebung über die ganze Welt auszudehnen.

Beim sorgfältigen Hindrucharbeiten von Scientologys Ethikbuch wird die Bedeutung von
Hubbards "sicher" deutlich: Frei von unterdrückerischen Personen (SPs), potenziellen
Schwierigkeitsquellen (PTSs), "Enturbulation" und "Entheta".

Eine unterdrückerische Person, wie zuvor schon bereits beschrieben, ist gemäß Hubbard ein
böses Individuum, das gegen jede Verbesserung wütet und Menschen kleinhalten will.

Eine potenzielle Schwierigkeitsquelle ist jeder, der mit einer unterdrückerischen Person in
Verbindung steht.

Enturbulation bedeutet gemäß dem Glossar von Scientology: Aufregung oder Störung; Tumult
und Verstimmung.

Entheta bezeichnet "enturbuliertes Theta". Theta ist der scientologische Begriff für Lebenskraft.
Demzufolge ist Entheta alles, was diese Lebenskraft aufregt, stört oder verstimmt. Die
Definition von Scientology fügt  noch hinzu: "Kommunikation, die, da sie auf Lügen und
Verwirrungen aufbaut, verleumderisch, bissig oder zerstörerisch sind, in dem Versuch, eine
Person oder Gruppe zu überwältigen oder zu unterdrücken."

ENTHETA

Auf den Punkt gebracht ist Entheta jede negative Äußerung gegenüber Scientology, Hubbard
oder dem derzeitgen Anführer David Miscavige. Scientology qualifiziert jede Kritik als "Lüge" ab.
Jedoch haben Wahrheit und Lügen faktisch damit nichts zu tun. Ist es Anti-Scientology, ist es
gleichermaßen Entheta - auch wenn es auf Fakten basiert und der Wahrheit entspricht. Wird
Scientology vogeworfen, dass gegenüber vor 20 Jahren bedeutend weniger Anhänger an
Veranstaltungen teilnehmen, dann ist es Entheta. Genauso ist es Entheta zu sagen, Hubbard hat
seine Biographie aufpoliert und über seine Geschichte im zweiten Weltkrieg gelogen.
Ungeachtet dem Fakt, dass obige Aussagen nachweislich wahr und gut dokumentiert sind. Jedoch
wühlen sie einen Anhänger auf, bringen ihn durcheinander oder stören ihn, wodurch sie Entheta
sind.

Wenn ein Prominenter Scientology den Rücken kehrt, wenn ein OT Suizid begeht, wenn eine
Organisation ihre Türen schließt oder verklagt wird, dann sind diese Dinge "Entheta" und
darüber muss nicht gesprochen werden.

Merke: Die Informationen werden meist sorgfältig gestückelt, damit die Anhänger niemals ein
Gesamtbild erhalten. In den größeren Gruppen erzählt man den Leuten nur so viel, wie sie
wissen müssen. Ein Mitglied in der einen Stadt wird daher nicht unbedingt von einem wichtigen
rechtlichen Beschluss, einer Enthüllung in den Medien oder einem internen Disput wissen, der
irgendwo anders in der Gruppe für Aufruhr sorgt.

Alles, dass Scientology ins schlechte Licht rückt oder jemanden womöglich zum Zweifeln über
die Organisation oder die Technologie bringen würde, wird als Entheta betrachtet.

In einer "sicheren Umgebung" sind Anhänger diesen Dingen nicht ausgesetzt. Eine "sichere
Umgebung" ist eine erschaffene Blase, wo keine negativen Informationen erlaubt sind.

SCIENTOLOGY FUNKTIONIERT

In der Abhandlung "Warum Ethik?" stellt Hubbard folgende weitreichende Behauptung auf:

Heutzutage funktioniert die Technologie bei jedem Fall.

Um gleich weiter auszuführen, dass wenn eine Person keine Gewinne (Resultate) vom Auditing
erhält, sie als potenzielle Schwierigkeitsquelle oder unterdrückerische Person zur Ethik geroutet
werden soll. Jeder der keine positiven Resultate von Scientology erreicht ist wahrscheinlich ein
SP oder PTS.

Angestellten Auditoren, die feststellen, dass sich ein Preclear wild gebärdet oder sich nicht
verändert, müssen ihn zu Review schicken, die ihn wahrscheinlich zu Ethik schicken. Angestellte
Auditoren, die feststellen, dass ein Fall fehlschlägt, müssen ihn zu Review schicken, die ihn
vielleicht wieder zu Ethik schickt.

Das ist ein sehr effizienter Weg zur Sicherstellung, dass die Technologie "bei jedem
funktioniert". Jeder Fall, der nicht funktioniert, wird zur Ethik geschickt. Dadurch erschafft
Ethik unter anderem eine "sichere Umgebung". Jeder der behauptet Scientology funktioniert
nicht, wird schnell aussortiert und in weiterer Folge als potenzielle Schwierigkeitsquelle oder als
unterdrückerische Person deklariert. Somit erhält man diese "sichere Umgebung", wo jeder
übereinstimmt, dass die Technologie jedes Mal funktioniert.

Eine List, die dem in "Des Kaisers neue Kleider" gleicht. Scientology funktioniert immer,
ausgenommen bei unterdrückerischen Personen oder potenziellen Schwierigkeitsquellen. Oh, es
funktioniert nicht bei dir? Bitte melde dich beim Ethik-Officer.

Es geht durch und durch um Haltungs- u. Einstellungsänderung. Des Weiteren rezitiert
Hubbard:

Ein Kursüberwacher, zu dem ein Student unhöflich ist, muss den Student zu Ethik schicken.

Wenn einem Kursüberwacher das Verhalten einer Person nicht gefällt, geht es ab zur Ethik.

DER ETHIK-OFFICER

Ein Abschnitt im Buch Einführung in die Ethik der Scientology betitelt sich "Hut des Ethik-
Officers". Der Ausdruck "Hut" wird in Scientology verwendet, um die Niederschriften,
Checksheets und Packs, welche eine Übersicht über die die Zwecke, das Know-how und die
Pflichten einer speziellen Arbeit oder Funktion, zu bezeichnen.

Für Hubbard wird vom Ethik-Officer diese Aufgabe erwartet:

Der Zweck des Ethik-Officers besteht darin, "Ron zu helfen, Organisationen und die
Öffentlichkeit bei Bedarf von Entheta und Enturbulation zu befreien, sodass Scientology
gemacht werden kann."

Im Wesentlichen muss der Ethik-Officer jedes Entheta lokalisieren, indem "Wer hat Dir das
erzählt?" gefragt wird. Darauffolgend wird alles zurückverfolgt, damit nach Namen und
denjenigen gefragt wird, die es der Person, die es jetzt äußert, gesagt hat. Schlussendlich zurück
bis zur potenziellen Schwierigkeitsquelle oder unterdrückerischen Individuen, um diese
Kommunikationslinien zu entfernen.

Hubbard ordnet dem Ethik-Officer ebenfalls an, nach tiefen Statistiken von Personen Ausschau
zu halten oder diejenigen herauszukristallisieren, die Anordnungen nicht befolgen. Er gibt dem
Ethik-Officer diesen Abschiedsbefehl:

Und wenn Sie sich verärgert und gestoppt fühlen und das Gefühl haben, dass Sie sich an
jemanden abreagieren wollen, sollten Sie das ganze gewiss tun.

Wer hat je von einem zahmen Ethik-Officer  gehört? Die geistige Gesundheit des Planeten ist
alles, was auf dem Spiel steht.

IN-ETHIK

Hubbard betont, dass das entscheidende Kriterium bei Ethik die Produktion einer Person ist, die
mit einer wöchentlichen Statistik gemessen wird.  Das ist für Hubbard der einzige Faktor, ob ein
Individuum "In-Ethik" ist oder nicht. Er führt aus:

Wenn deshalb ein Mitarbeiter seine Produktion hinaufbringt, indem seine eigene Statistik
hervorragend ist, ist Ethik mit Sicherheit nicht interessiert. Aber wenn ein Mitarbeiter nicht
produziert, was sich durch seine schlechte Statistik für seinen Posten zeigt, ist Ethik von seinem
geringsten Vergehen fasziniert.

Kurz gesagt, ein Mitarbeiter kann sich alles erlauben, solange seine Statistik oben ist,
und wenn sie unten ist, kann er nicht einmal niesen, ohne einen Hieb zu erhalten.

An der Moral der Wog-Welt bin ich nicht interessiert. Ich bin nur daran interessiert, den Laden
zum Laufen zu bringen und ihn am Laufen zu halten...

Für Hubbard kann ein Mitarbeiter, dessen Statistiken oben sind, nichts Unrechtes tun.

Es gibt wahrscheinlich keine Grenzen in Bezug darauf, was ich tun würde, um die einzige Straße
der Menschheit zur Freiheit gegen Personen zu schützen, die versuchen Scientology zu stoppen
oder Scientology Schaden zuzufügen.

NACHSICHTIGKEIT

Das Wesen eines Ethik-Officers ist Entheta, Enturbluation, SPs und PTSes zu handhaben, um
eine sichere Umgebung zu schaffen. Hubbard warnt den Ethik-Officer davor "nachsichtig" zu
sein, das in Scientology eine schlechte Sache ist. Er sagt:

Der größte Feind des E/O ist die nachsichtige Person. Es gibt keine guten Gründe für irgendeine
Outness, außer:

a. Naturkatastrophen (wie Erdbeben, Blitze, usw.)
b. Unterdrückerische Personen
c. Personen, die PTS zu unterdrückerischen Personen sind.

HUMOR

Es ist auch interessant, dass es Hubbard auch auf "Witzbolde und Herabsetzer" abgesehen hat. Er
misstraute scherzenden Menschen oder denjenigen, die Sinn für Humor bewiesen. Hubbard sah
in Witzbolden und Herabsetzer ernstliche potenzielle Schwierigkeitsquellen.

In manchen kulturellen Gebieten werden Witze und Humor als heilsame Befreiung betrachtet.
Im Fall von Organisationen ist jedoch nicht festgestellt worden, dass dies der Fall wäre. Die
direkte Zielsetzung war die absichtliche Zerstörung der Organisation oder der anderen
Mitarbeiter.

Ein Teil dieser "sicheren Umgebung" ist das Fehlen von Humor oder Witzen.

VORGEHENSWEISE BEI ENTHETA

Es gibt bestimmte, vorhersehbare Methoden wie Scientology-Anhänger mit Entheta umgehen.
Dies sind sorgfältig installierte Gedankenstopp-Mechanismen die automatisch ins Spiel
kommen, wenn sie mit irgendeiner Kritik über Scientology oder Hubbard konfrontiert werden.

1) "Es sind alles Lügen!" Das ist die erste automatische Reaktion auf jegliches Entheta. "Es
kann nicht wahr sein!" Wenn etwas Negativ über Scientology berichtet wird, muss es eine
Lüge sein. Eine reflexhafte Antwort die sofort zum Tragen kommt, auch wenn der Artikel
noch nicht gelesen oder der Beitrag noch nicht gesehen wurde.

2) "Lies es nicht! Schau es nicht an! Rede nicht darüber!" Scientology-Anhänger werden zum
Glauben gebracht, dass wenn sie der Existenz von negativen Artikeln zustimmen, diese
den Unterdrückern Macht verleiht. Sie werden zur Überzeugung gebracht, dass Lesen oder
Sehen von Entheta den unterdrückerischen Personen Macht über sie gibt und es bewirkt,
eine potenzielle Schwierigkeitsquelle zu werden. Womit sie jeden Kontakt damit
vermeiden.

In einem Richtlinienbrief, genannt Feindliche Propagandalinien (Enemy Lines), führt Hubbard
aus: Leite niemals eine Feindaktion auf deine eigenen oder auf andere Linien weiter.

3) "Lese nur, dass Scientology darüber sagt!" Hört ein Anhänger Entheta-Nachrichten, dann
wird sofort eruiert, was Scientology darüber zu sagen hat. Normalerweise auf der Webseite
"Freedom", betrieben von OSA. Anhänger werden nur das lesen, nur das glauben und nur
das an andere weiterleiten. Die Materialen von OSA werden ausnahmslos eine Attacke auf
die Quelle der Kritik darstellen, welche für den Artikel, das Buch oder den TV-Beitrag
verantwortlich ist.

4) "Der Grund, warum wir so angegriffen werden ist nur der, weil wir expandieren!" Hubbard
schrieb in der Richtlinie Zeichen des Erfolgs folgendes: Jedes Mal wenn wir wirklich
gewinnen, fangen Squirrels (jemand, der die Technologie verändert) an zu schreien. Man
kann erkennen, ob jemand ein Squirrel ist: Sie heulen und machen nur Ärger, wenn wir
gewinnen.

Der verdrehten Logik folglich, bedeutet irgendein Angriff auf Scientology nur, dass Scientology
gewinnt.

5) "Es sind die Psychiater und Pharmariesen!" Es kann sich darauf  verlassen werden, dass
Scientology und seine Anhänger eineVerschwörungstheorie auftischen, um den Grund der
Angriffe zu erklären.

6) "Die Antwort ist einfach mehr Service, mehr Training und Processing von Scientology zu
ergreifen und OSA soll sich mit dem Entheta beschäftigen!" In anderen Worten, der
Anhänger soll jede Kritik über Scientology ignorieren - einfach den Kopf in den Sand
stecken. Sich mit Entheta zu befassen liegt nicht in der Zuständigkeit eines Mitglieds.
Dafür hat Scientology eine spezielle Abteilung: OSA.

SICHER FÜR SCIENTOLOGY

Die Ironie von dieser Praktik ist, dass Scientology keine "sichere Umgebung" im gewöhnlichen
Wortsinn von "sicher" erschafft. Nämlich frei von Gefahren, Missbrauch, Gewalt, Drohungen
oder Menschenrechtsverletzungen.

Eine Scientology-Organisation ist nur im scientologischen Sinne "sicher", da sie frei von
Entheta, Enturbulation, unterdrückerischen Personen (SPs) und potenziellen
Schwierigkeitsquellen (PTSs) ist.

Um es einfach und verständlich ohne Scientology-Jargon auszudrücken: Frei von Anti-
Scientology Einflüssen. Frei von irgendjemanden, der Scientology und Hubbard kritisiert oder
hinterfragt. Frei von irgendjemand, der die Resultate von Scientology in Frage stellt. Und frei
von Informationen, die bei jemanden Zweifel über die Mitwirkung in Scientology hervorrufen.

Auf dem Punkt gebracht ist eine "sichere Umgebung" ein Milieu, das ausnahmslos  für
Scientology sicher ist und nicht für den einzelnen Anhänger oder Mitarbeiter. Es ist eine
geschützte Blase, wo keine negativen Informationen, Zweifel oder Fragen erlaubt sind.

Da Scientology nur innerhalb einer derartig isolierten Blase "funktionieren" kann.