Die Unterdrückerische Person

Will man Menschen kontrollieren, dann ist es unumstößlich, dass ihnen ein Feind gegeben
werden muss. Und ist keiner vorhanden, dann muss einer erschaffen werden. In Gespräche mit
Hitler, einem von Hermann Rauschning (1887-1982) verfassten Buch, sagte dieser:

Auf die Frage, ob die Juden überhaupt vernichtet werden sollten, hat Hitler verneinend geantwortet:
Dann müssten wir ihn (den Juden) erfinden. Man braucht einen sichtbaren Feind, nicht nur einen
unsichtbaren.

Indem für Menschen ein Feind erschaffen wird, kann immer zum Hassen und Fürchten
wachgerüttelt werden. In seinem Buch Der Fanatiker merkt Erich Hoffer an:

Massenbewegungen können ohne Glauben an einen Gott entstehen und wachsen, niemals jedoch ohne
den Glauben an einen Teufel.

Der Teufel für einen Scientology-Anhänger ist die unterdrückerische Person (Abkürzung "SP"
aus dem engl. Suppresive Person).

SCHWARZ UND WEIß

Zu Beginn des Buches Einführung in die Ethik der Scientology behauptet Hubbard, dass wenn es zu
gut und schlecht oder richtig und falsch kommt, es keine Absoluta gibt. Er argumentiert:

Begriffe wie gut und böse, lebendig und  tot, richtig und falsch werden nur in Verbindung mit
Gradientenskalen verwendet.

Hingegen macht Hubbard bei der Beschreibung einer unterdrückerischen Person exakt die
entgegengesetzte Behauptung (eines von vielen Beispielen wo Hubbard sich selbst
widerspricht). Im dem Essay Zwei Arten von Menschen legt Hubbard einen kompromisslosen
Beweis zugunsten Schwarz-Weiß-Denken dar. Er setzte fest, dass es nur zwei Arten von
Menschen gibt:

Es gibt zwei Arten von Verhalten - jenes, mit dem beabsichtigt wird, konstruktiv zu sein, und
jenes, mit dem beabsichtigt wird, katastrophal zu sein. Es gibt also Leute, die versuchen, Dinge
aufzubauen (die soziale Persönlichkeit), und andere, die versuchen, Dinge niederzureißen (die
antisoziale Persönlichkeit oder unterdrückerische Person).

Weiter:

Und es gibt keine anderen Arten. Es gibt tatsächlich nicht einmal Grauschattierungen.

Merke: Selbst die komplexeste Sekten-Doktrin reduziert letztendlich die Realität in zwei
grundlegende Pole: Schwarz gegen Weiß; Gut gegen Böse; Spirituelle Welt gegen materielle
Welt; Wir gegen Sie.

Eines der Kennzeichen einer Sekte (oder einer beliebigen fanatischen, extremistischen Gruppe)
ist Schwarz-Weiß-Denken. Dinge sind entweder Schwarz oder Weiß. Sie sind gut oder böse. Es
gibt keine Grautöne, keine Nuancen. Und genau das sagt Hubbard hier. Menschen sind entweder
gut oder schlecht. Es gibt keine Grauschattierungen. 

DIE ANTISOZIALE PERSÖNLICHKEIT

Mitte der 1960er Jahre sagte sich eine Serie von hochrangigen Anhängern von Hubbard los.
Somit war er auf irgendeine Weise gezwungen, diejenigen zu isolieren und zu verteufeln, die ihn
in Frage stellten oder gegen ihn aussagten. Er musste sicherstellen, dass seine verbleibenden
Anhänger diese Menschen als "böse" ansahen, sie folglich mieden und sich weigtern ihnen
zuzuhören. Er musste sie also brandmarken, ohne sich auf kleinliche Politik einzulassen.

Die Lösung darauf war, dies als "neuen technischen Durchbruch" zu positionieren und Anhänger
zu überzeugen, dass diese Menschen einen emotionslosen und krankenhausreifen Zustand
hätten der sie böse macht. Diese Menschen wären aus technischen Gründen zu meiden.

In dem Kapitel Die antisoziale Persönlichkeit, der Anti-Scientologe legt Hubbard die "verräterischen
Signale" dar. Schon die Überschrift lässt erkennen, dass Hubbard antisozial und Anti-
Scientology gleichstellt. Er zielt auf jeden ab, der kritisch gegenüber seiner Person und
Scientology ist.

Hubbard listet 12 Eigenschaften einer antisozialen Persönlichkeit auf und lässt diese als
krankhaften Zustand erklingen. Anstatt zum Beispiel zu formulieren, dass die Person
Scientology attackiert, verallgemeinert er und erklärt, dass sie jede konstruktive Gruppe oder
Verbesserungsgruppe attackiert.

Diese 12 Eigenschaften sind kurz zusammengefasst:

1) Er oder sie spricht nur in sehr groben Verallgemeinerungen ...

2) Eine solche Person beschäftigt sich hauptsächlich mit schlechten Nachrichten, kritischen
oder feindseligen Bemerkungen ...

3) Die antisoziale Persönlichkeit ändert Kommunikation zum Negativen hin, wenn sie eine
Mitteilung oder Nachricht übermittelt. Gute Nachrichten werden gestoppt und nur
schlechte Neuigkeiten werden weitergegeben.

Wir alle kennen negative Menschen die sich permanent beschweren, nörgeln oder von
schlechten Nachrichten berichten. Lästig? Ja. Aber es macht sie nicht zwangsläufig hoffnungslos
böse! Obige Punkten machen in Hubbards System mehr Sinn, wenn zu jedem noch "... gegenüber
Scientology" hinzugefügt wird. Es sind tatsächlich kritische oder feindselige Behauptungen
gegenüber Scientology, um zur unterdrückerischen Person deklariert zu werden.

4) Eine  antisozialen Persönlichkeit spricht nicht auf Behandlung,  Besserungsversuche oder
Psychotherapie an ...

Eine sehr skurrile Feststellung aus Hubbards Mund, dem die Psychotherapie verhasst war und
der sie als nutzlos betrachtete. Als Kernpunkt erklärt Hubbard, dass wenn von der
Psychotherapie keine Resultate erzielt werden, es ein Indiz ist, dass man eine unterdrückerische
Person ist.

Das ganze wird nur verständlich wenn einem bewusst ist, dass "auf Behandlung, 
Besserungsversuche oder Psychotherapie" der Code für "Scientology" ist. Tatsächlich sagt
Hubbard an dieser Stelle: "Wenn du keine Erfolge mit Scientology erzielst, dann könntest Du
eine unterdrückerische Person sein." Genauso wird es interpretiert und es wird mehr und mehr im
nächsten Abschnitt der potenziellen Schwierigkeitsquelle offensichtlich.

Vereinfacht ausgedrückt: Jeder erhält von Scientology Resultate - außer eine unterdrückerische
Person. Du erzielst keine Erfolge? Du musst eine unterdrückerische Person sein!

5) In der Umgebung finden wir eingeschüchterte oder kranke Partner oder Freunde ...

Dahinter steckt die Idee der "Potenziellen Schwierigkeitsquelle". In der Theorie von Scientology
wird eine Person krank, verstört oder aufgeregt wenn sie einer unterdrückerischen Person
ausgesetzt ist, womit sie für die Organisation zur Quelle einer potenziellen Schwierigkeit wird.
Eine Vorwand, um Anhänger von jenen zu isolieren, die als unterdrückerische Personen
gebrandmarkt wurden.

6) Die antisoziale Persönlichkeit sucht sich gewohnheitsmäßig das verkehrte Angriffsziel
aus.

7) Die antisoziale Person kann keine Aktionszyklen abschließen.

8)  Viele antisoziale Personen werden sich frei zu den erschreckendsten Verbrechen
bekennen, wenn sie dazu gezwungen werden, aber sie werden keinen Schimmer von
Verantwortungsgefühl dafür haben.

9) Die antisoziale Persönlichkeit unterstützt ausschließlich destruktive Gruppen und wütet
gegen jede Gruppe, die konstruktiv ist oder verbessern will, und greift sie an.

10) Dieser Persönlichkeitstyp heißt nur destruktive Handlungen gut und kämpft gegen
konstruktive oder hilfreiche Aktionen oder Tätigkeiten.

11) Anderen zu helfen ist eine Tätigkeit, die die antisoziale Persönlichkeit beinahe Amok
laufen lässt.

12) Die antisoziale Persönlichkeit hat einen schlechten Sinn für Besitz und hält den
Gedanken, dass irgendjemand etwas besitzt, für einen Vorwand, um damit die Leute zu
betrügen.

Bei den Punkten 9, 10 und 11 warnt Hubbard, dass eine unterdrückerische Person gegen jede
Gruppe wütet, die konstruktiv ist oder verbessern will, nur destruktive Handlungen gutheißt und
gegen konstruktive oder hilfreiche Aktionen oder Tätigkeiten kämpft.

Viel mehr stimmt, die angesprochene konstruktive "Verbesserungsgruppe" wird hier aufs Neue
als Codewort für Scientology benutzt. Das wird augenscheinlich wenn man herauszufinden
versucht, welche Gruppen Hubbard möglicherweise hier gemeint hat. Therapeuten? Kirchliche
Gruppen? Ärzteschaft? Selbsthilfegruppen? … gegen alle hat sich Hubbard abfällig geäußert.

Niemand wurde bisher als unterdrückerische Person verstoßen, weil ein Jugendverband, eine
religiöse Organisation, Coaching- und Mentaltrainingsinstitute oder andere
Hilfsorganisationen attackiert wurde. Niemand! Personen werden nur als Unterdrücker geächtet,
weil sie Scientology angegriffen oder kritisiert haben. Somit ist die Absicht von den Punkten 9,
10 und 11 ziemlich durchschaubar. Wenn Hubbard von einer "Verbesserungsgruppe" spricht,
dann meint er Scientology - und nur Scientology. Das ist in der Realität as Herzstück seiner
"Technologie" über unterdrückerische Personen.

Hubbard listet ebenfalls die Eigenschaften einer "sozialen Persönlichkeit" auf. Es sind einfach
die 12 Eigenschaften einer unterdrückerischen Person, nur umgekehrt.

Würde ein Anhänger diese Liste sachlich verwenden, um damit das Leben eines Ex-Mitglieds,
z. B. Leah Remini oder Paul Haggis, zu überprüfen, dann würden er zur Schlussfolgerung
kommen, dass diese Menschen unmöglich Unterdrücker sein können. Jedoch findet diese
Betrachtung nicht statt.

Eine von Hubbard aufgelistete Eigenschaft einer unterdrückerischen Person ist, dass "Er oder sie
nur in sehr groben Verallgemeinerungen spricht". Eine soziale Persönlichkeit hingegen ist sehr
genau in Bezug auf den Sachverhalt. Dabei ist es sehr erstaunlich, dass Whistleblower und
Aussteiger, welche die internen Vorfälle und Untaten bloßlegen, sehr genau das Geschehen
beschreiben. Im Gegensatz dazu äußert sich Scientology immer mit groben
Verallgemeinerungen. Wie zum Beispiel: "Das sind alles nur Lügen." "Verbitterte und
verstoßene Abtrünnige."  "Verlangen nach jämmerlicher Publicity." "Eine so selbstsüchtige
Person mit einem unstillbaren Verlangen nach Aufmerksamkeit".  Und so weiter. Wer ist hier
nun gemäß Hubbards Richtlinien ein Unterdrücker?


WIE WIRD EINE UNTERDRÜCKERISCHE PERSON ERKANNT

Theoretisch sind das die Eckpfeiler, um eine unterdrückerische Person zu erkennen. Jedoch in
Wirklichkeit geht es darum, ob die Person Scientology kritisiert oder sich Obrigkeiten widersetzt
hat oder nicht - das ist das einzige Kriterium, das Anwendung findet.
Ist jemand Anti-Scientology, dann ist diese Person erklärtermaßen antisozial.