Manchmal werden ehemalige Sektenmitglieder gefragt: "Warum bist du nicht einfach
aufgestanden und gegangen?" Da es eine ganze Reihe von Faktoren gibt, durch die
ein Sektenmitglied an die Gruppe gebunden wird, gibt es darauf keine einfache
Antwort. In den meisten Fällen wird keine physische Gewalt ausgeübt, obwohl es
einige Gruppen gibt, die Mitglieder, welche gehen wollen, strafen und einsperren.
Aber in allen Fällen gibt es psychologische Fesseln, die äußerst schwer zu lösen sind.

Wenn jemand den psychologischen und sozialen Zwängen einer Sekte verfallen ist,
dann ist ihm oder ihr folgendes widerfahren:


1) Täuschung während der Anwerbungsphase und während der gesamten Zeit der
Mitgliedschaft.

2) Entkräftung wegen der langen Arbeitszeiten, dem Ausmaß der Auslieferung an die
Gruppe, dem psychologischen Druck, der inneren Beschränkung und dem inneren
Kampf.

3) Abhängigkeit, weil man von der Außenwelt abgeschnitten ist.

4) Angst wegen der von der Sekte eingeimpften Überzeugung, dass jemand, der die
Gruppe verlässt, draußen nicht existieren kann.

5) Abstumpfung: Dinge, die früher als belastend empfunden worden wären, wirken
nicht mehr so (zum Beispiel, dass Geld nicht für den Zweck verwendet wird, für den
es gesammelt wurde, sondern für den extravaganten Lebensstil des Führers; oder
tatenloses Zusehen, wenn Kinder misshandelt oder sogar getötet werden).


All diese Faktoren wirken zusammen, so dass das Mitglied keinen Ausweg sieht.


- Überzeugung

Von den vielen Einwirkungen, die ein Mitglied einer Sekte daran hindern, einfach
aufzustehen und zu gehen, steht die Glaubensüberzeugung vielleicht an erster Stelle.
Der Glaube und das mit ihm verbundene Gefühl der Verpflichtung ist eine starke
Kraft - ob sich dieser Glaube nun auf Gott oder eine Religion bezieht, auf eine
bestimmte politische Richtung, die eigene Familie oder auf die Existenz von Magie.
Es hat eine große Faszination für Menschen, ihre Überzeugungen und Ideen in die
Tat umzusetzen. Wir brauchen Glaubensüberzeugungen, die uns helfen, die Welt zu
verstehen.

In der Welt der Sekten sind Glaubensüberzeugungen der Klebstoff, der eine Person
an die Gruppe bindet. In welcher Art von Gruppe Sie auch sein mögen, Sie machen
mit und passen sich an, weil Sie an die Gruppe glauben. Sie glauben an die Ziele und
an die Menschen, die das Gleiche tun wie Sie. Sie glauben an den Führer. Sie glauben,
dass Ihr Tun Sinn hat.

In den meisten Sekten wird Ihnen gesagt, dass Sie selbst sich ändern müssen, wenn
die Glaubensüberzeugungen der Gruppe wahr werden sollen. "Okay, ich akzeptiere
das. Ich glaube das, ich stimme zu und ich werde diese Veränderung vornehmen",
und allmählich haben diese Veränderungen eine radikale Wirkung auf Ihre Gedanken
und Handlungen, ohne dass Sie sich dessen bewusst sind.


- Anstand und Loyalität

Ein zweiter Faktor, der die Menschen in Sekten hält, ist, dass die meisten Leute
anständig und ehrlich sind. Sie wollen Gutes tun, für andere da sein und in ihrem
Leben etwas bewirken. Und sie sind loyal. Wenn sie sich für etwas entschlossen
haben, dann werden sie dem nicht so leicht wieder untreu.

Wenn Sie sich also für eine Gruppe entschlossen haben, an deren Ideale Sie
leidenschaftlich glauben, dann ist es sehr schwer, wieder auszusteigen. Später, wenn
Sie sehen, dass Dinge vor sich gehen, die Sie nicht verstehen, dann werden Sie sich
vielleicht sagen: "Ich habe mich dazu entschlossen, ich habe ja gewusst, dass es nicht
leicht ist. Manches hier scheint mir nicht in Ordnung zu sein, aber ich habe gesagt,
dass ich mitmachen will, ich habe schließlich mein Wort gegeben. Ein bisschen bleibe
ich noch." Unterdessen hören Sie natürlich vom Führer und allen anderen in Ihrer
Umgebung - entweder durch die Blume oder unverblümt - nichts anderes, als dass Sie
mitmachen sollen.

Die Tatsache, dass niemand gerne aufsteht und sagt "Ich gehe", spielt auch eine
Rolle. Anstatt sich zu drücken, bleiben Sie lieber. Je länger Sie aber bleiben, umso
schwerer wird es zu gehen. Kein Drückeberger sein zu wollen, ist als ein weiteres
Element, das Menschen in der Sekte hält.


- Kontakt zur Familie, Verwandten und Freunden zu verlieren

In der Regel bedeutet ein Ausstieg aus einer Sekte auch, dass es zu einem völligen
Kontaktabbruch kommt - der Ausstieg bedeutet einen sozialen Tod für die Person.
(Familien)Mitglieder die innerhalb der Sekte verbleiben, brechen sämtliche
Kommunikation mit dem Aussteiger ab. 


- Autoritätsfiguren

Wir sind dazu erzogen worden, Autoritätsfiguren, Menschen, die uns Antworten
geben, zu respektieren. Solange wir jung sind und während der gesamten Schulzeit
wird von uns erwartet, dass wir auf sie hören und zu Menschen aufschauen, die es
"besser wissen".

Wenn Ihnen also gesagt wird, dass Sie die Sekte nicht in Frage stellen dürfen und Sie
sich daran halten, dann rechtfertigen Sie diesen Gehorsam damit, dass ein anderes
Verhalten den Führer missachten würde, der alles weiß, der alles besser weiß. Der
Führer besitzt die erschöpfende Antwort. Fragen und Zweifel sind unangebracht.

Um Gehorsam durchzusetzen, hat jede Gruppe ihre Form der Bestrafung für
Regelverletzung. Wenn Sie kritische Fragen stellen, wird man Sie lächerlich machen
und Sie je nach Gruppenjargon Verräter, Spion, Agent oder Satan nennen oder sonst
wie diffamieren. Es gibt immer eine gruppeninterne Sprache, um jemanden
verächtlich zu machen und herabzusetzen. Die Gruppe sorgt dafür, dass Sie sich
schlecht fühlen, wenn Sie zweifeln oder Fragen stellen. Durch die in sich
geschlossene Logik der Gruppenideologie und durch den Gruppendruck sind Sie
schließlich selbst davon überzeugt, dass Ihre Frage ein Indiz ist, dass Sie nicht fest
genug glauben.

Letztlich tun Menschen alles, was sie tun müssen, um in einer bestimmten Umgebung
zu überleben. Wenn Sie Mitglied in einer Sekte sind, dann ist ein großer Teil ihrer
Umgebung und Ihrer Lebensentscheidungen fremdbestimmt: Ihre finanziellen
Ressourcen, Ihr Zugang zu Informationen, die Wahl Ihrer Arbeit, Ihre Freizeit, Ihr
sozialer Umgang, manchmal sogar Ihr sexuelles Leben stehen unter Kontrolle. Sie
passen sich an und lernen, damit sie Teil der Gruppe bleiben. Es ist leichter,
mitzumachen, mit dem Strom zu schwimmen, ein guter Gläubiger und ein folgsamer
Anhänger zu sein, als Widerstand zu leisten.


- Gruppendruck und Informationsmangel

Gruppendruck ist ein entscheidender Faktor, der Mitglieder bei der Stange hält. Von
Ex-Mitgliedern ist oftmals zu hören: "In meiner Gruppe gab es Ärzte, Rechtsanwälte,
Sozialarbeiter, Leute mit den verschiedensten akademischen Abschlüssen,
intelligente Leute. Ich schaute sie mir an und dachte, sich machen alle mit, es muss
an mir liegen. Bestimmt liegt es an mir, ich kapier das einfach nicht. Irgendetwas
stimmt nicht mit mir. Ich muss mich eben mehr anstrengen."

Mitglieder fühlen sich so, weil niemand anders den Mund aufmacht, weil niemand
anders den Mund aufmachen kann. Wer es tut, fühlt sich allein, isoliert, ausgegrenzt
und schlecht. Direkt oder indirekt drängen die Mitglieder sich wechselseitig dazu,
sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Da wir alle soziale Wesen sind, ist es
schwer, solchem Druck zu widerstehen.

Dazu kommt noch, dass vor den Mitgliedern oft geheim gehalten wird, was wirklich
vor sich geht. Nicht nur wird ihnen der Zugang zu Außeninformationen verwehrt,
sondern darüber hinaus werden sie über den Führer und die Aktivitäten der Gruppe
belogen. Die Bedeutung und der Einfluss der Sekte werden größer dargestellt, als sie
wirklich sind. Das Image des Führers wird aufgeblasen, wenn nicht völlig künstlich
fabriziert. Oft wird die Zahl der Gruppenmitglieder übertrieben, damit die Gruppe
größer und populärer erscheint. Weltereignisse werden entstellend interpretiert,
ebenso die Haltung der Außenwelt zur Gruppe. Der Informationsmangel der meisten
Mitglieder hält sie davon ab, sich wirklich Rechenschaft über die Situation zu geben,
in der sie sich befinden.


- Erschöpfung und Verwirrung

Erschöpfung und Verwirrung machen das Mitglied noch handlungsunfähiger. In den
meisten Gruppen müssen die Mitglieder von früh morgens bis in die Nacht hinein
arbeiten. Wenn Sie jahrelang sechzehn bis zwanzig Stunden täglich arbeiten, und
zwar an sieben Tagen die Woche, ohne Ferien, ohne Freizeit, ohne Vergnügungen,
ohne Hobbies, ohne intime Beziehung zu einem Partner, selbst wenn Sie einen
haben, dann leben Sie in einer Nebelwelt.

Wenn Sie nicht mehr denken können, wenn Sie nicht mehr wissen, wie Sie den Tag
überstehen sollen, dann versuchen Sie, nur noch durchzukommen, ohne noch mehr
einstecken zu müssen - sei es repetitive stumpfsinnige Arbeit, Kritik, exorbitante
Quoten beim Geldsammeln, sexuelle Misshandlung oder sonstige Gewalt. Sie
schleppen sich weiter und weiter und weiter. Sie sind völlig verwirrt und sehen
keinerlei Ausweg. Und Sie hoffen, dass Sie überleben.


- Trennung von der Vergangenheit

Eine weitere bedeutsame Wirkkraft, die Menschen an die Sekte bindet, ist die
Tatsache, dass sie von ihrer Vergangenheit abgeschnitten wurden. In fast jeder
Gruppe brechen die Mitglieder im Laufe der Zeit mit ihrer Vergangenheit. Sie haben
keinen Kontakt mehr mit Familienangehörigen oder Freunden, die der Gruppe nicht
beigetreten sind oder sich kritisch darüber äußern.

Manche Leute arbeiten während der gesamten Zeit ihrer Mitgliedschaft nur innerhalb
der Gruppe. Sie gehen nicht täglich nach draußen zur Arbeit. Sie haben wenig oder
gar keinen menschlichen Kontakt, außer mit Gruppenmitgliedern. Wenn sie
rausgehen, um Mitglieder zu werben, Geld zu sammeln oder um etwas zu
organisieren, dann haben sie einen bestimmten Auftrag. Ergeben sich dabei Kontakte
mit anderen, dann sind sie vollkommen oberflächlich und werden von der Gruppe
kontrolliert, mit Einsatzbesprechungen vorher und hinterher und dem Zwang zu
detaillierten Berichten über jeden Außenkontakt.

Sie müssen sich das vorstellen: Ihre Welt besteht nur noch aus den Menschen, mit
denen Sie zusammenleben, Ihrer täglichen Arbeit, den Gruppenversammlungen und
dem Haus, in dem Sie mit anderen Gruppenmitgliedern leben. Sie sind darin völlig
eingeschlossen, und mit der Zeit vergessen Sie ihre Vergangenheit.

Sie vergessen sogar, wer Sie waren, bevor sie Mitglied wurden. In manchen Gruppen
nehmen die Leute neue Namen an und kenn oft den richtigen Namen der anderen
nicht. Ein neuer Namen, eine völlig neue Identität und möglichst wenig Verbindung
zur Vergangenheit - das sind starke Einwirkungen, durch die die Mitglieder an die
Gruppe gebunden werden.

Wenn Sie eine Weile in einer Umgebung leben, in der jeder gleicht denkt und
handelt, dann verengt sich Ihr Horizont, und Ihre Kommunikationsfähigkeit
schrumpft, selbst wenn es sich nicht um eine Gruppe handelt, die Außenkontakte
völlig unterbindet. Sollten Sie dennoch einmal mit Ihrer Familie zusammenkommen,
dann fühlen Sie sich so entfremdet, dass Sie nur noch so schnell wie möglich in Ihre
Gruppe zurückkehren wollen. Obwohl Sie dort ein jämmerliches Leben führen, fühlen
Sie sich sonderbarerweise in der Gruppe dennoch am wohlsten, weil Ihnen das Leben
dort mittlerweile am vertrautesten ist. Es ist Ihre alltägliche Umgebung, Ihr zu
Hause und Ihre Familie.

In dieser Situation überhaupt nur ans Weggehen zu denken ist an sich schon
bedrohlich. Sollte ein Gedanke an Flucht aufkommen, dann tauchen gleichzeitig
angstvolle Fragen auf: Wohin soll ich gehen? Was soll ich tun? Wer akzeptiert mich
noch? Sie haben Ihr Selbstbewusstsein so sehr eingebüßt, dass der Gedanke ans
Weggehen unerträglich ist. Sie können sich nicht mehr vorstellen, dass Sie Ihr kleines
geschütztes Universum verlassen und sich einer Welt ausliefern, von der Ihnen
ständig eingehämmert wurde, sie sei das andere, das Böse, die Unwissenden oder sie
sei des Teufels. Die Nichtgläubigen werden Sie nicht akzeptieren. Niemand wird
Ihnen Arbeit geben. Niemand wird etwas mit Ihnen zu tun haben wollen. Sie werden
niemals eine Beziehung eingehen können. Sie sind ein Versager.

All das spielt sich in Ihrem Kopf ab, weil Sie diese Sichtweise der Gruppe
verinnerlicht haben - in Trainingssitzungen und durch die Macht des Sektenmilieus.
Sie sind so gründlich von der Außenwelt abgeschnitten, dass Sie glauben, nicht mehr
weg zu können und in eine emotionale und psychologische Lähmung geraten.
(Abgesehen davon, dass Sektenmitglieder meistens kaum Zugang zu Geld haben und
fürchten, nicht weit zu kommen, falls sie flüchten würden.)


- Angst

Ein weiterer Grund, der Menschen in Sekten hält, ist schiere Angst. Viele Gruppen
verfolgen Abtrünnige. Sie drohen, strafen, stellen sie unter Hausarrest. Wenn
Mitglieder versuchen wegzukommen, werden sie festgehalten. Sollten sie den Fehler
begehen, es jemanden zu sagen, werden sie von Gruppenaktivitäten ausgeschlossen,
öffentlich geächtet und bestraft. Sie werden vor der Gruppe kritisiert, werden auf
den heißen Stuhl gesetzt und in den meisten Fällen ziemlich schnell davon
"überzeugt", dass es besser ist zu bleiben. Als Mitglied der Gruppe waren Sie schon
Zeuge solcher Maßnahmen und haben Angst, dass auch Sie ein solches Schicksal
ereilen könnte. Weggehen scheint einfach nicht im Bereich des Möglichen zu liegen.

In manchen Fällen werden Mitglieder ausgestoßen. Sie werden regelrecht
hinausgeworfen oder einer psychiatrischen Anstalt oder den Eltern vor die Tür
gesetzt. In der Gruppe werden sie dann diffamiert und in den Schmutz gezogen. Sie
kommen auf die Liste der Feinde und Unmenschen. Um die Aussage der Sekte,
warum sie nicht mehr Mitglied sind, zu bekräftigen, werden monströse Lügen über
sie verbreitet. Solche Denunzierung ist keine angenehme Aussicht, wenn einer daran
denkt, wegzugehen. Das Bild vom Ausgestoßenen wird übermächtig, und die
Vorstellung, selbst ein Ausgestoßener zu werden, erscheint schlimmer als der Tod.


- Schuldgefühle wegen der Teilnahme

Der letzte Faktor, der die Falle zuschnappen lässt, ist die aktive Teilnahme an den
schmutzigen Geschäften der Sekte. Ob Sie es sich eingestehen wollen oder nicht, Sie
haben Ihr Leben in das Leben der Sekte eingebracht. Es ist schwer davon
wegzukommen - zum Teil, weil es immer noch eine Stimme in Ihnen gibt, die
glauben möchte, dass die Sache funktionieren wird und zum Teil deswegen, weil sie
Scham und Schuld fühlen. Sie haben an Aktivitäten teilgenommen, die im normalen
Leben wahrscheinlich nie für Sie in Frage gekommen wären - Handlungen, die
moralisch verwerflich sind, von denen Sie nie gedacht hätten, dass Sie fähig wären,
sie auszuführen oder deren stillschweigender Zeuge zu werden. Diese Art von Schuld
und Scham hält Menschen in Sekten fest. Sie hindert sie daran, einfach aufzustehen
und zu sagen: "Ich gehe."

Durch die Erfahrung in der Gruppe und all diese Einflüsse entwickelt sich eine
erzwungene Abhängigkeit. Sie haben vielleicht als ein völlig autonomes,
unabhängiges Individuum begonnen, aber nach einer gewissen Zeit werden Sie, auch
wenn Sie das nicht zugeben wollen, in jeder Hinsicht abhängig von der Gruppe, in all
Ihren sozialen Bedürfnissen, etwa nach familiärer Zugehörigkeit, Ihrem Selbstbild
und was die nackte Existenz angeht. In unterschiedlichem Maß wird Ihnen Tag für
Tag vorgeschrieben, was Sie zu tun haben, und so verkümmern Sie. Sie werden wie
ein Kind, für das jeder Gedanke an unabhängiges Handeln völlig verwirrend und
unerträglich bedrohlich ist. Wie kann ein Kind aufstehen und gehen, wenn man ihm
beigebracht hat, selbst zu glauben, dass es ohne die Gnade des Führers und der
Gruppe nicht existieren kann?


Es ist dieses Ineinander von Glaube, Loyalität, Abhängigkeit, Schuld, Angst,
Gruppendruck, Informationsmangel und Erschöpfung, die vielleicht alle ein gleiches
psychologisches Gewicht haben, dass es für Mitglieder so schwer macht, Sekten zu
verlassen. Anständige, ehrbare Leute brechen ihr Wort nicht leicht und die
Umgebung der Sekte macht das Weggehen praktisch unmöglich.

Viele Mitglieder, besonders jene, die innerhalb der Gruppe nicht aufsteigen, befinden
sich jahrelang in einem Zustand des qualvollen inneren Konflikts. Andere steigen in
der Hierarchie auf und werden selbst zu Vollstreckern des manipulativen Systems.
Sie lernen, Wunder zu inszenieren, Heilungen vorzutäuschen, falsche Darstellungen
der Errungenschaften der Sekte abzugeben und den korrupten Führer zu decken.
Ihre Rolle besteht darin, für Gehorsam und Abhängigkeit zu sorgen und sie lernen,
ihr eigenes Verhalten wie das des Führers zu rationalisieren. Obwohl sie die
Machenschaften durchschauen, bleiben sie, weil sie den Status und dich Macht
genießen. Sie bleiben auch deswegen, weil sie durch dieselben Einflüsse gefangen
sind wie die anderen, darüber hinaus haben sie enorme Schuldgefühle und fürchten
sich zudem vor Erpressungs- und Vergeltungsmaßnahmen der Sekte.

In einigen Sekten gibt es bewaffnete Wächter, die dafür sorgen, dass Abtrünnige und
Mitglieder, denen Strafen auferlegt wurden, nicht fliehen. Inhaftiert zu werden ist
eine hochgradig traumatische Erfahrung. Die Entwürdigung von Mitgliedern, die in
jeder Sekte stattfindet, verstärkt sich bei Strafaktionen und gipfelt in verschiedenen
Formen der Inhaftierung unter gefängnisähnlichen Bedingungen. Ex-Mitglieder, die
solche Erfahrung gemacht haben, brechen oft zusammen, wenn sie über die
Hoffnungslosigkeit, die Einsamkeit und die Angst sprechen, die sie dabei durchlebt
haben. Selbst wenn sie aus der Haft entlassen wurden, blieben sie normalerweise
noch lange danach in der Gruppe, weil zur Angst noch emotionale Leere kam.

Manche bleiben für immer in der Gruppe, aber die große Mehrzahl steigt an
irgendeinem Punkt wieder aus, entweder aus eigenem Entschluss oder weil es der
Familie oder Freunden gelingt, sie herauszuholen.
Die Sekte verlassen