Das von L. Ron Hubbard entwickelte System Scientology unterwandert jeden Aspekt des
Lebens, und macht sich den Menschen, mit der völligen Unterordnung des Einzelnen,
gehorsam und abhängig; Menschenrechte und Grundrechte sind diesem Denken fremd. Das
denkende Individuum wird durch einen Automaten ersetzt, der nachplappert und -macht,
was Hubbard niedergeschrieben hat. Scientology ist ein in sich geschlossenes System, eine
Parallelwelt mit eigenen Gesetzen.

Die Lehre ist keine Wissenschaft, auch wenn der Begriff »science« den Namen verziert. Es
ist ein totalitäres System aus Kontrolle, entwickelt, um Geld oder eine billige Arbeitskraft
von ahnungslosen, meistens emotional verwundbaren oder von wunschdenkenden
Menschen zu extrahieren. Das Ziel und die Mission von Scientology ist es, die Welt zu
retten - mit Hilfe scientologischer Auditoren jeden einzelnen Menschen auf der Erde in den
Zustand »clear« zu bringen; die Erschaffung einer neuen Zivilisation. 

Wenn man irgendein Problem in seinem Leben Scientology vorlegt, dann werden sie ein
Buch öffnen und einer hilfesuchenden Person zeigen, was Hubbard über dieses bestimmte
Problem gesagt hat und was zu tun ist. Das Äußere erscheint, als würde Scientology alle
Antworten haben. Zum Beispiel wenn man bei der Arbeit gestresst ist, dann gibt
Scientology vor, einen Spaziergang zu machen. Wenn jemand Probleme mit seinem
Unternehmen hat, dann gibt Scientology eine Reihe von Schritten vor, denen man einfach
folgen muss, um diese Schwierigkeiten zu beheben. Dieser Aspekt von Scientology
glorifiziert nur den gesunden Menschenverstand. Gleichzeitig behauptet Scientology alle
Antworten zu haben, um die Gesellschaft von der aktuellen »Abwärtsspirale« retten zu
können.


Die erklärten Ziele von Scientology sind:

»Eine Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrecher und ohne Krieg, in der der
Fähige erfolgreich sein kann und ehrliche Wesen Rechte haben können und in der der
Mensch die Freiheit hat, zu größeren Höhen aufzusteigen.«


Die Organisation will den Eindruck einer harmlosen Religionsgemeinschaft erwecken, die
sich um das Wohlergehen der Menschheit kümmere. Dies ist ein weiteres Lockmittel für
ahnungslose Menschen die denken, diese Ziele klingen gut. Sie mögen hübsch aussehen
und die Worte schön klingen, doch dahinter versteckt sich ausschließlich das Ziel »Clear
World«, weil für Scientology einzig in einer »geklärten« Welt diese Ziele erreichbar sind. Es
fehlen die »Alarmbegriffe«, die leichter erkennbar machen, was (politisch) beabsichtigt ist.

Geisteskrank sind im System Scientology alle, die keine Scientologen werden wollen,
können oder dürfen. Die schlimmsten »Geisteskranken« aber sind jene 20 Prozent der
Bevölkerung, die als »antisoziale Persönlichkeiten«, »Unterdrücker« und »Feinde« von
Scientology den Rest der Menschheit in den Wahnsinn treiben, weshalb man sie isolieren
und in Lager sperren müsse. Eine Vorstellung von einer reinen Gesellschaft, wo nur dem
Scientologen Menschen- oder Bürgerrechte zugestanden werden.

Werfen wir einen Blick auf zwei bestimmte Teile dieser Ziele: »in der der Fähige
erfolgreich sein kann« und »wo ehrliche Wesen Rechte haben können«.

Scientology behauptet schon die längste Zeit, »die Fähigen fähiger zu machen«. Doch wo
sind nach fast 70 Jahren der propagierten »Expansion« die von Scientology
hervorgebrachten fähigen Wissenschaftler, Denker, Ingenieure oder Nobelpreisträger?
Völlige Fehlanzeige!

Hat im Gegenzug auch schon jemand angehalten um zu fragen: »Was ist mit den
Unfähigen?« Was ist zum Beispiel mit Menschen die unsere Hilfe brauchen? Kranke, alte
und körperlich benachteiligte Menschen? Ja selbst Anhänger die ihre gesamten Ersparnisse
für die »Brücke zur völligen Freiheit« ausgegeben haben, aber nicht mehr in der Lage sind,
für das obere Ende zu bezahlen?

Diese Menschen werden nicht nur unweigerlich und herzlos zurückgelassen, sondern
regelrecht entfernt. Scientology hat immer und immer wieder gezeigt, dass sie kein
Interesse an Menschen haben, die für ihre Zwecke nicht zu gebrauchen sind, oder nicht die
finanziellen Mittel dazu haben.











Und wie steht es mit den ehrlichen Menschen? Ehrliche Menschen sind im System
Scientology gereinigte Menschen, die nicht »aberriert« (verwirrt) sind, also auditierte
Anhänger, Clears oder OTs. Bleibt noch die Frage zu klären, was mit den Unehrlichen ist?
Sollen diese keine Rechte haben? Und wer bestimmt, wer ehrlich ist oder nicht? Hubbard
schrieb in einem seiner vielen Richtlinienbriefen: »Eine wahrhaft unterdrückerische Person
oder Gruppe hat keinerlei Rechte.« Und dieser Satz beinhaltet für Hubbard all das, was
Scientology gefährlich werden könnte: bohrende Kritiker, Demonstranten, Gegner; einfach
alle, die sich in der Öffentlichkeit negativ über Scientology äußern.

Die Falle von Scientology ist, wie die Menschen hineingezogen werden. Zuerst wird mit all
den glänzenden Worten gelockt, mit Vernunft die Welt zu verbessern. Mit einem
Selbsthilfeprogramm, das einem verspricht, ein größeres Bewusstsein seiner selbst zu
erlangen und sein volles Potential zu erreichen. Bahnbrechende Verbesserungen in
Beziehungen und Ehen, im Beruf, in der Kommunikation und beim physischen und
psychischen Befinden. Mit dem Slogan »Think for yourself«, obwohl bei Scientology die
unzähligen Vorschriften dafür sorgen, dass sich alle gleich benehmen. 

Sobald sich die Person beim »Studieren« von Scientology wiederfindet, ist es vielmehr ein
subtiler Prozess der Indoktrination. Bald findet sie sich selbst dabei, wie sie Scientology
benützt, um Scientology zu erklären, was einen logischen Kreislauf erschafft und die
Person wird hineingezogen in eine endlose Schleife des »Studiums« von Scientology und
klebt geistig fest. 

Es gibt ein großflächiges und ziemlich seltsames Vokabular, das mit Scientology
einhergeht. Der Hauptgrund liegt - wie in vielen totalitären Sekten - darin begründet, dass
Hubbard spezialisierte Definitionen und Wörter kreiert hat, um den Anhängern das Gefühl
zu geben, sie wären an etwas ganz Besonderem beteiligt, das kein Außenstehender
wirklich verstehe. Durch die festgelegte Ausformung von Bedeutungen gewisser Dinge und
was wichtig oder unwichtig ist, wird der Denkprozess der Anhänger kontrolliert, da es
ihnen gegenseitig, und auf die Welt insgesamt, eine besondere Sichtweise verleiht. Die
Sprache in Scientology verdreht vieles, prägt das Denken und ist das perfekte Instrument,
die Gruppe zu formen.

Man stellt sehr schnell fest, dass es bei Scientology keinen Gott gibt, keine Gebete, keinen
Himmel und keine Hölle - nichts von all dem, was man normalerweise mit Religion
verbindet. Anstelle dessen konzentriert sich vieles auf den »Thetan«, der Begriff von
Scientology für den unsterblichen Geist, der den menschlichen Körper beseelt. Ein Thetan
lebt Leben um Leben, und wenn sein aktueller Körper stirbt, wählte er sich den nächsten
aus und fängt wieder von vorne an. Daher ist Familie in Scientology nichts werklich Echtes
oder so wichtig, denn Thetane können nicht wirklich die Eltern eines anderen Thetans sein. 

Erst einmal für etwas längere Zeit Mitglied, wird die Person mit dem Überwachungssystem
von Scientology Bekanntschaft machen. Wird sie bei etwas erwischt, dass im Widerspruch
zu den Richtlinien steht oder unethisch war, wird sie mit einem »Wissensbericht«
gemeldet. Tut man es nicht, macht man sich zum Komplizen. Denn jede Person, die von
einer Handlung Kenntnis hatte, die im Widerspruch zu den Richtlinien stehend oder
unethisch war, und keinen Wissensbericht einreichte, wird dadurch in jedem später
unternommenen Rechtsverfahren zum Mitschuldigen. Jeder in Scientology bespitzelt
permanent jeden anderen. Von Kindern wird erwartet, dass sie ihre eigenen Eltern
ausliefern, wenn diese sich im Fernsehen gegen Scientology gerichtete Berichte ansehen,
oder kritische Webseiten besuchen. Ehemänner liefern Ehefrauen aus. Brüder liefern
Schwestern aus.

Die Wissensberichte sind eines der Hauptsysteme, wie Scientology Informationen über ihre
Mitglieder sammelt. Durch die ständige Indoktrination empfinden Anhänger diese Kultur
der Denunziation nicht als jemand anderen ans Messer zu liefern, sondern sie glauben
damit anderen wirklich zu »helfen«. Einmal verpfiffen, verbringt das betroffene Mitglied
dann zahlreiche Stunden bei Auditing-Sitzungen um sich seine »Verbrechen«
einzugestehen, oder muss rücksichtslose Vernehmungen durchlaufen, deren Beendigung
Wochen dauern kann. Und am Ende stellt Scientology dem Mitglied eine saftige Rechnung
dafür aus.

Sobald die »Verfehlungen« gestanden sind, reibt Scientology sie einem ins Gesicht, als
wäre man eine Art Verbrecher. Scientology treibt die Person, selbst über unbedeutende
Dinge, zu einer Schuldebene. Scientology benutzt Erniedrigung und Peinlichkeit um
Menschen zu beschämen, und sie anschließend vorsichtig wieder in ihre Arme zu drücken.
In die Arme eines wartenden *Registrars, damit die Person für ihre wahrgenommenen
»Missetaten« bezahlen darf um sie zu fixieren. Das ist ein endloser Kreislauf von
Missbrauch, wie in einer gewalttätigen Beziehung, der manchmal für Jahre oder sogar
Jahrzehnte fortdauert.

*Verkäufer von Scientology-Kursen, die darauf gedrillt werden, jedes Vermögensdetail eines Anhängers
aufzuspüren, ob Bankkonten, Aktien, Autos, Häuser - alles, was zu Geld gemacht werden kann)

Scientology handelt mit Angst. Sie erschaffen fortwährend eine imaginäre Welt mit Feinden
die es zu bekämpfen gilt. Es ist dadurch viel leichter Aufopferung von Menschen
abzuverlangen, alles wegzugeben was sie besitzen. Es ist der beste Weg Menschen zu
manipulieren und zu betrügen. Die Notwendigkeit von Einsatz, Wachsamkeit und
Opferbereitschaft wird stets betont und schafft ein Klima wilder Loyalität, die blind für
Logik oder die tatsächliche Wahrheit ist.

Es hat folgenschwere Nebenwirkung, wenn das Leben in diesem »Angstmodus« verbracht
wird. Zusätzlich bringen einem die »Trainingsroutinen« (TRs) von Scientology bei, seine
Gefühle zu unterdrücken. Scientologen werden sagen, dass diese Technik die
Kommunikationsfähigkeit verbessert. Das Endergebnis dieser Trainingsroutinen ist
allerdings, dass Menschen in der Lage sind »nichts« zu fühlen. Das ist mitunter auch ein
Grund, warum Scientologen ganze Zeit immer dieses künstliche Grinsen und diesen starren,
stechenden Blick haben.

Der Teil von Scientology, den die Person in ihrer Einführungsphase noch nicht erlebt hat, ist
der schwergewichtige »Beichtstuhl-Baustein«. Scientology neigt dazu, die einzelne Person
für ihre Probleme selbst verantwortlich zu machen, und Scientology für all den Erfolg. Aus
der Sicht von Scientology hat die Person etwas »Bösartiges« getan, und ruft sich somit
diese Probleme selbst hervor. Dass Mitglied lernt unweigerlich, sich diese Schwierigkeiten
selbst in die Schuhe zu schieben - man verdient es irgendwie, oder man hat es selbst
angezogen.

»Anziehen« gehört zum Scientology-Konzept und bedeutet, dass man, wenn man etwas
Schlimmes tut, gleichzeitig dafür sorgt, dass einem etwas Schlimmes passiert. Man zieht es
an, ähnlich wie schlechtes Karma, welches der gefährlichste Teil ist. Es ist wie in einer
gewalttätigen Beziehung, wo man glaubt die Schuld liegt bei einem selbst, was immer
wieder zur Folge hat, dass der Täter einem weiter misshandelt.

Die Falle ist noch weitaus schlimmer, weil im Gegensatz zu einem durchschnittlichen
Missbrauchsopfer gibt es niemanden in der Nähe, der diese Misshandlung bemerkt. Man
findet sich mit der Zeit nur von Scientologen umgeben. Man arbeitet womöglich mit und für
Scientologen. Man verbringt so viel Zeit in der Gesellschaft von anderen Scientologen und
in der Organisation. Alle von ihnen sind in der gleichen gewalttätigen Beziehung wie man
selbst, und so wird es die Norm. Man beginnt zu denken, dass ist der Weg wie er sein sollte.

Gemäß L. Ron Hubbards Entdeckung ist der »reaktive Verstand« jener Ort, in dem
emotional und körperlich schmerzhafte Ereignisse aus dem Leben des Menschen
abgespeichert werden. Diese Traumata, die er »Engramme« (negative Erinnerungsbilder)
nannte, seien für die meisten Krankheiten und für falsche Reaktionen verantwortlich. Diese
Art des Unterbewusstseins stünde nicht unter willentlicher Kontrolle einer Person und übe
Macht über ihr Bewusstsein und ihre Handlungen aus.

Wenn also der »reaktive Verstand« geklärt wäre, würde der »analytische Verstand« richtig
funktionieren wie ein optimaler Computer - und der IQ würde dramatisch ansteigen. Man
wäre frei von allen psychologischen und psychosomatischen Krankheiten und das
Gedächtnis würde sich bis zum Punkt totaler Erinnerung verbessern.

Der ganze Betrug ist es, eine Person davon zu überzeugen, dass sie einen »reaktiven
Verstand« hat. Diese schreckliche Sache, die man nicht sehen, nicht berühren und in keiner
Weise erkennen kann und einzig Scientology kann einem davon befreien. Dies ist
unglaublich klug, weil er eigentlich gar nicht existiert und kein anderer Weg gefunden
werden kann, um ihn loszuwerden oder ihn zu bewältigen. Es gibt absolut keine einzige
Spur eines wissenschaftlichen Beweises, dass so etwas wie ein »reaktiver Verstand«
existiert.

Aber der Schwindel ist noch zu steigern, denn in der Kosmologie von Scientology ist das
Individuum ein seit Urzeiten existierender unsterblicher Geist (»Thetan«), der schon
unzählige Leben in den Millionen von Jahren, an verschiedenen Plätzen im Universum,
gelebt hat - und einen entsprechenden großen reaktiven Verstand besitzt. Somit müssen
durch »Auditing« nicht nur die Blockaden in diesem Leben gelöst werden, sondern die mit
vielen Verletzungen und Traumata beladenen früheren Leben (auf der »Zeitspur«) ebenso,
um sein volles Potential wiedererwecken zu können, nachdem der Thetan es vor Millionen
von Jahren verloren hat.

Nimmt man Scientology ab, dass man einen reaktiven Verstand besitzt, dann werden sie
einem die kostspielige »Brücke zur völligen Freiheit« verkaufen. Nach dieser Landkarte für
die Reise zur spirituellen Freiheit, muss jeder ganz unten anfangen und sich schrittweise
ein Level nach dem nächsten hinaufbewegen. Unkontrolliertes Absolvieren der Levels,
behauptet L. Ron Hubbard, könne zu schweren Störungen und sogar zum Tod führen.

Man kann seinen reaktiven Verstand nicht loswerden, weil er von Anfang an nicht da ist -
egal wie viel Geld man ausgibt. Auch die »Zeitspur« ist nur eine Fiktion, genauso wie die
»Engramme«. Aber Scientology kann eine Person zu einem gegebenen Zeitpunkt zum
»Clear« oder zum »operierenden Thetan« (OT) erklären, weil es ihre eigene Schöpfung ist.
Ihre Kreation. Ihr Fantasiegebilde.

Im August 1950 präsentierte L. Ron Hubbard im vollbesetzten Shrine Auditorium (Los
Angeles) der Welt seinen ersten Clear. Hubbard beschreibt »clear« als einen Zustand, in
dem die Person frei von allen Neurosen und Psychosen ist, nahezu frei von Krankheiten und
somatischen Beschwerden, deren IQ rasch ansteigt und eine nahezu perfekte
Erinnerungsfähigkeit besitzt. Ein Clear ist jemand, der seinen eigenen reaktiven Verstand 
nicht mehr hat - durch Dianetik-Auditing vollständig gelöscht -, und der infolgedessen nicht
unter den negativen Auswirkungen seiner Engramme leidet. Es sollte eine Sternstunde für
Scientology werden, endete jedoch in einem Fiasko.

Eine präsentierte junge Physikstudentin versagte kläglich, die auch von Hubbard
zugeschriebene Fähigkeit eines Clears einer »vollen und perfekten Erinnerung an jeden
Moment des Lebens« zu demonstrieren. Nicht nur dass die Frau auf einprasselnde Fragen
wie »Was steht auf Seite 122 des Dianetik-Buches?« keine Antwort wusste, sie konnte
nicht einmal die Frage nach Hubbards Krawattenfarbe beantworten, als dieser ihr gerade
den Rücken zugewandt hatte. Selbst an einfache Physik-Formeln konnte sie sich nicht
erinnern, ihrem eigenen Studienfach. »Dieses Buch enthält auf jeder einzelnen Seite mehr
Versprechen und unbewiesene Behauptungen als jedes andere Druckwerk seit Erfindung
des Buchdrucks«, urteilte der Physiker und Nobelpreisträger Isaac Isidor Rabi einige Jahre
später über Dianetik.

Es ist die absolut falsche Frage, ob man seinen »reaktiven Verstand« loswerden sollte. Eine
weitaus bessere Frage ist: »Warum sollte ich mir dieses Märchen einreden lassen, wenn
alles darauf abzielt, Scientology die Kontrolle über mein Leben zu geben?« In Wirklichkeit
führ das Gleis der völligen Freiheit in ein geistiges Gefängnis. Der Weg findet nur unter
bedingungslosem Gehorsam und unter ständiger Kontrolle statt. Schritt für Schritt wird die
Person einen Weg geführt, Interessen zu dienen, die ihr selbst schaden; die Person gibt
nach und nach unbemerkt ihre Freiheit auf.

Wer mit Dingen innerhalb der Organisation nicht einverstanden ist und den Mund aufmacht,
dem wird vorgeworfen, bloß selbst etwas zu verbergen zu haben - Scientology erklärt,
derjenige hätte »Overts« oder »Withholds« (in Scientology heißen Sünden »Overts« und
das Verschweigen/Zurückhalten einer Sünde ist ein »Withhold«). Und wenn sich in dessen
heutigem Leben nichts finden lässt, dann musste dieses Fehlverhalten aus der persönlichen
Vergangenheit rühren.

Jede Kritik, die man vorbringt, alles, worin man nicht übereinstimmt, letztlich also jede
abweichende Meinung, liegt darin begründet, dass man irgendwann etwas Schlechtes
getan hat. Kritische Gedanken sind gemäß L. Ron Hubbard grundsätzlich schlecht - sie
weißen auf ein Vergehen hin. Somit ist jeder kritische Gedanke eines Anhängers sofort
verdächtig. Diese Umwertung macht es Mitgliedern äußert schwer, sich kritisch über
Scientology zu äußern, denn es fällt so auf sie zurück, als hätten sie selbst etwas falsch
gemacht.  

Jeder Widerspruch, jede Form von Hinterfragung zieht disziplinarische Maßnahmen nach
sich. So sieht der Kreislauf aus, diese endlose Rückkoppelungsschleife, die, einmal in Gang
gesetzt, kaum zu durchbrechen ist und der den Anfang vom Ende bedeuten kann. Von
einfacher Wiedergutmachung, über die Benennung zur »potenziellen Gefahrenquelle«, zu
einem »Sec-Check« bis hin zur Deklaration als »unterdrückerische Person«.

»Sec-Check« steht für eine Sicherheitsüberprüfung, und ist ein strenges Verhör mithilfe des
E-Meters, in dem ein Auditor eine lange Frageliste abarbeitet, um sicherzustellen, dass sich
der Betreffende keine feindseligen Akte oder Gedanken gegen Scientology zuschulden
kommen hat lassen und die aufgezeichnet wird.

Auf diese Weise werden Anhänger zum Schweigen gebracht. Es handelt sich um eine
vollkommene Unterdrückung des eigenen Denkens; schützenswerte Individualität gibt es in
Scientology nicht.

Will die Person aussteigen, wird sich Scientology für den Druck, für das ständige Verlangen
nach Geld entschuldigen. Rabatte anbieten und Missverständnisse aufklären wollen. Sie
werden Angebote machen, die die Person mitunter nicht ablehnen kann, weil sie sich
schuldig und verpflichtet fühlt. Sie werden sagen, wie besonders man ist. Scientology wird
der ausstiegswilligen Person nahe legen, dass sie bei ihrem Ziel, den Planeten zu klären,
die Menschheit im Stich lasse. Sie werden sagen, dass der »reaktive Verstand« das
persönliche Wachstum behindert, einem zu Grunde richtet und man sich davon mit mehr
Kursen befreien müsse.

Scientology wird die Person möglicherweise mit den intimsten Geständnissen aus dem
Ethikordner erpressen, diese zu veröffentlichen, wenn sie geht. Auch wenn die Person
keinen weiteren Kontakt mehr wünscht, wird sie von Scientology mitunter mit
Telefonanrufen überzogen. Selbst wenn die Nummer gewechselt wird, oder die Person in
eine andere Stadt zieht, Scientology schafft es immer wieder einem zu finden. Ist die
Person für Scientology wichtig, dann wird ihr vor der Haustüre aufgelauert, sie auf dem
Weg zur Arbeit abgefangen, sie in Gespräche verwickelt werden, um sie in die Organisation
zurückzuholen. Scientology wird alles Erdenkliche tun, um die Person vom Verlassen der
Gruppe abzuhalten.

Doch bis zum endgültigen Entschluss des Austritts ist es sehr oft ein weiter Weg, und hängt
unter anderem von der Dosis Scientology ab, die derjenige erhalten hat. Meistens sind die
Ausstiegswilligen an diesem Punkt hoch verschuldet, haben all ihr Geld und nicht selten das
von Bekannten und Verwandten in die teuren Kurse, Materialien und Auditings investiert.
Scientology erschafft nicht nur ein geistiges Gefängnis, mit einer Vielzahl von
eingepflanzten Phobien, sondern auch ein Glaubensgefängnis. Disziplinarmaßnahmen,
Ethik-Verfahren, Kontaktverbote, massive Geldforderungen, Armut und Missbrauch werden
dadurch über Jahre hinweg erduldet.

Menschen verlassen ihre Heimat nicht so leicht, außer wenn sie einen wirklich besseren Ort
zum Leben haben. Menschen bleiben in Missbrauchssituationen, weil es ihre Heimat ist,
weil sie kein Geld haben oder nirgendwo sonst hin können. Und weil es oftmals zu wenig
Hilfe für sie gibt. Es ist schmerzlich, sich einzugestehen, dass man einen kapitalen Fehler
gemacht, viel Geld, Kursarbeit und Zeit für ein Wahnsystem ausgegeben und wertvolle
Lebensjahre verschenkt zu haben.

Jeder Ausstiegswillige fürchtet, den »Suppressive Person-Declare« zu erhalten - das letzte
Kontrollmittel der düsteren Scientology-Justiz. Die scientologische Exkommunikation
erklärt den Delinquenten zur »unterdrückerischen Person« und verpflichtet alle
Scientologen, jeden Kontakt zu ihm sofort abzubrechen. Wer mit dem »SP Declare«
geächtet wird, verliert ab sofort sein soziales Umfeld, soweit es aus Scientologen besteht.

Unaufhörlich wird man als aktives Mitglied mit der internen Propaganda überzogen, die
einzige Arche zur Rettung der Welt zu sein; einzig die »Technologie« von Scientology
könnte die zum Untergang verurteilte Welt retten. In jeder internen Scientology-Werbung
wird man mit »gewaltigen«, »weltverändernden« oder »noch nie dagewesenen« Erfolgen
oder Events breitgeschlagen. Die Hochglanzbroschüren und Videos, welche die »noch nie
dagewesenen Expansion« durch die ständigen Eröffnungen von »Idealen Organisationen«
bestätigen, scheinen das Ziel einer geklärten Welt tatsächlich in Reichweite zu rücken. In
Wahrheit werden alte Gebäude einfach nur durch neue, größere ersetzt. Die Expansion
findet - bei rücklaufenden Anhängerzahlen - ausschließlich bei der Bürofläche statt.

Anhänger werden in einem Kokon von ständig generierten positiven Nachrichten
eingesponnen, und man will gar nicht schauen und es überprüfen, ob es tatsächlich stimmt,
weil dies im scientologischen Denken gegen das Leben gerichtet wäre. Dieses Nebel-
Konglomerat bestehend aus Lügen, Manipulation, Scham und Ängsten muss anfangs
durchbrochen werden.

Innerhalb der Scientology-Blase gibt es keine Mysterien - es gibt für alles eine Antwort.
Jede Handlung, von jeder Person auf diesem Planeten, kann mit der »Philosophie« von
Scientology erklärt werden. Es ist sehr bequem, völlige »Gewissheit« über das Leben zu
haben und wie es zu meistern ist. Man schaut hinab zu den unwissenden »Wogs«
(abwertender Begriff für Nicht-Scientologen) und schüttelt den Kopf über ihre Naivität.

Man hat »Gewissheit« über seine eigene Unsterblichkeit. Deshalb ist es nicht von Belang,
diese Lebenszeit bankrott und entkräftet zu verbringen, da unendliche Mengen von Leben
zur Verfügung stehen. Jedoch hängt die gesamte qualvolle Zukunft dieses Planeten - jedes
Mannes, jeder Frau und jedes Kindes drauf - und das eigene Schicksal für die nächsten
endlosen Billionen Jahre davon ab, was man hier und jetzt in der Scientology macht. Es gilt
in dieser Lebenszeit sicherzustellen, dass Scientology bis zu einem Wendepunkt genug
wächst, der die »Klärung« des Planeten garantiert. Die damit einhergehende Gewissheit,
man könne das Leben der Menschen und ihre »Ewigkeit« retten. Gewissheit, sich aus dem
Sumpf herausziehen zu können und seine alten übermenschlichen Fähigkeiten
wiederherstellen zu können, um Schmerz, Bestrafung, Armut, Krieg und Kriminalität aus
dieser »Wog-Welt« endgültig verschwinden zu lassen. Gewissheit, stets alles unter
Kontrolle zu haben.

Dem Gegenüber erwartet einem die harte, teils beschwerliche Realität des Älterwerdens -
ohne einer »Elite von Außerwählten« anzugehören, ohne absoluter »Gewissheit«, ohne
»zu den Fähigsten der Fähigen zu zählen«, ohne zweite Chance. Man verliert sein
Glaubenssystem, das gemeinsame Ziel, seinen Lebensinhalt, Gemeinschaft, »wissend«
über das Leben zu sein, etc. Verglichen mit der Scientology-Blase von unsterblicher
»Spiritualität«, wo jeder immer und immer wieder lebt, und jeder Schmerz behoben
werden kann ist das sehr verführerisch ... aber nichts davon ist real! Dass wissenschaftlich
begründete Leben ist begrenzt und manchmal langweilig, aber wenigstens echt und
greifbar.

Es ist ein unglaublich gefährlicher und törichter Weg sich in Scientology zu verstricken und
auf ihre falschen Versprechungen hereinzufallen, von dem es mitunter kein Zurück mehr
gibt. Es ist nahezu irreal wie Scientology einem in einer Blase einschließen kann, getrennt
vom Rest der Welt. Trotz der irrwitzigen Preise führt ihr System ins Nichts. Die
widersinnige Rauch- und Schallwelt von Scientology hat einen Pfad, der nur in eine
Richtung geht - in seelische und geistige Gefangenheit eines Wahn-, Überwachungs- und
Repressionssystems.
Die Falle Scientology