Ethik: Das geistige Gefängnis von Scientology




Scientology stellt eine sichere Umgebung dar.
So lautete ein Essay von L. Ron Hubbard im
Kapitel 8 aus >>Einführung in die Ethik der
Scientology<<. Für ein Mitglied klingt das natürlich
großartig. Wer möchte nicht in einen Umfeld leben,
wo man sicher vor Gefahren, Ungerechtigkeiten,
Gewalt und so weiter ist? Hubbard hat jedoch eine
andere Vorstellung, wie eine sichere Umgebung
erzeugt werden kann, und die Rolle von
Scientology-Ethik um das zu erreichen.

Beim Durchlesen des Kapitels wird es deutlich, was für Hubbard sicher bedeutet: Frei von
Unterdrücker (SPs), potenziellen Schwierigkeitsquellen (PTS), "Enturbulation" und "Entheta".

Nochmals eine kurze Definition der Begriffe: Eine unterdrückererische Person ist eine böse,
antisoziale Persönlichkeit, die versucht, andere Leute in ihrer Umgebung zu unterdrücken. Sie
möchte die Bemühung zu helfen, z. B. das Individuum fähiger oder intelligenter zu machen, im
Keim ersticken.

Eine potenzielle Schwierigkeitsqulle (PTS; von engl. Potential Trouble Source) ist eine Person, die
mit einer unterdrückerischen Person in Verbindung steht. Alle kranken Personen sind
PTS. Alle Preclears, die regelmäßig ihre Gewinne verlieren, sind PTS.

Enturbulation bedeutet gemäß dem Glossar auf der Rückseite des Buches: "Verstören, Aufwühlen,
Aufruhr und Durcheinanderbringen".

Entheta ist demnach "Enturbulated Theta". Theta ist Lebensenergie, womit Entheta alles ist, was
diese Lebensenergie durcheinanderbringt, aufwühlt und erschüttert. Der Glossar fügt noch hinzu,
dass Kommunikation, welche auf Lügen und Verwirrung basiert, verleumderisch oder zerstörerisch
ist, der Versuch ist eine Person, oder Gruppe zu unterdrücken.

In der Realität bedeutet Entheta jede Äußerung gegen Scientology, Hubbard oder Miscavige. Sie
sagen "Lügen", aber praktisch haben Wahrheit und Lügen nichts damit zu tun. Wenn es Anti-
Scientology ist, ist es Entheta, auch wenn es war ist. Wenn man sagt "Scientology wurde in
Frankreich wegen organisierten Betrug verurteilt" oder "Hubbard hat über seine Biographie
gelogen", dann ist es Entheta, ohne Rücksicht auf die Fakten, dass diese Statements der Wahrheit
entsprechen, weil sie gut dokumentiert sind. Jedoch bringen sie ein Scientology-Mitglied
durcheinander, womit es Entheta ist.

Womit Scientology-Organisationen im Sinne von, dass sie diesen Dingen nicht ausgesetzt sind,
"sicher" sind. Es ist eine erschaffene Blase, wo keine negativen Informationen erlaubt sind.

Hubbard stellt die Behauptung auf:


Heutzutage funktioniert die Scientology Technology bei jedem Fall.


Des Weiteren wird festgehalten, dass eine Person die keine Gewinne durch Auditing erreicht,
demzufolge zur Ethik (zum Ethik-Offizier) als potentielle Gefahrenquelle oder Unterdrücker
geroutet werden soll. Eine Person die keine Gewinne durch Scientology erzielt, ist wahrscheinlich
eine Unterdrücker oder eine potentielle Gefahrenquelle.

Es ist ein sehr effizienter Weg sicherzustellen, dass die Technologie "immer und bei jedem
funktioniert" - nimm jeden Fall der nicht funktioniert, und schicke ihn zur Ethik. Das ist ein Weg,
wie Ethik eine "sichere Umgebung" schafft. Jeder der behauptet, dass die Technologie nicht
funktioniert wird schnell aussortiert, und als potentielle Gefahrenquelle oder Unterdrücker erklärt.
Somit erhält man diese sichere Umgebung, wo jeder übereinstimmt, dass die Technologie zu jeder
Zeit funktioniert.

Es ist eine Ironie, die Ethik von Scientology erschafft keine "sichere Umgebung" im normalen
Wortsinn von sicher - frei von Gefahren, Missbrauch, Gewalt, Drohungen,
Menschenrechtsverletzung usw. Eine Scientology-Organisation ist nur im Sinne von Scientology
sicher, da sie frei von Entheta, Enturbulation, Unterdrücker und potentiellen Schwierigkeitsquellen
ist. Um es mit einfach und in keinem Jargon von Scientology auszudrücken: Frei von Anti-
Scientology Einflüssen. Frei von Kritik und Hinterfragung über Scientology, Hubbard oder
Miscavige. Frei von Personen, die die Resultate von Scientology in Frage stellen. Frei von
Information, die einen Zweifel über die Beteiligung in Scientology hervorrufen können.

Auf den Punkt gebracht ist für Scientology eine "sichere Umgebung" eine Blase, wo keine
negativen Informationen, oder Zweifel und Fragen erlaubt sind. Weil Scientology nur in einer solch
isolierten Blase funktioniert.


Im Kapitel 9 "Ethik Berichte" wird gelehrt, wie Mitglieder über sich gegenseitig berichten. Der
berüchtigte "Wissensbericht".

Eine historisch belegte Tatsache ist es, dass ein charakteristisches Merkmal jeder totalitären,
dyspotische Gesellschaft der Grad ist, wie Bürger sich gegenseitig ausspionieren und anschließend
den Behörden melden. Das war der Fall in Nazi Deutschland, wo schon die Hitlerjugend darauf
trainiert wurde, die eigenen Eltern und Nachbarn auszuspionieren. In der ehemaligen Sowjetunion
wurden jene die verdächtig oder illoyal waren gefangen genommen, und in Gulags gesteckt. Die
Ostdeutsche Stasi, welche als effektivster und repressivster Geheimdienst beschrieben wird,
bespitzelte ihre Bevölkerung durch ein riesiges Netz von Informanten, die als normale Bürger
getarnt waren.   

Dieser Mechanismus findet sich für gewöhnlich auch in Sekten wider.

Hubbard verkauft es sehr clever. Er präsentiert es in Form von Verantwortung und Kontrolle - zwei
Dinge die von Scientology-Mitgliedern hoch geschätzt werden. Um eine solche Umgebung zu
kontrollieren argumentiert Hubbard, ist es notwendig Verantwortung zu übernehmen, was um
einen passiert.


Ich habe EINEN Faktor isoliert, der eine Gruppe upstat oder downstat macht. Der einzige
bedeutende Unterschied zwischen einer Gruppe in der es sich leicht leben und arbeiten lässt, und
einer Gruppe wo dies schwierig ist, ist dass die einzelnen Gruppenmitglieder die Aktionen und
Sitten der Gruppe selbst durchsetzen.


Wenn jede Personen einen Teil eines internen Überwachungsnetzwerkes vertritt, kann jede
beliebige Person die aus der Reihe tanzt, unverzüglich ausfindig und behandelt werden.

Hubbard legt dar, wie der Wissensbericht durchgesetzt wird:


Jeder der von Handlungen weiß, die zerstörend, außerhalb der Richtlinien oder außerhalb
der Ethik sind, und keinen Wissensbericht darüber verfasst, wird ein Mittäter …



Und weiter:


Jede Person die von Outness (etwas das außerhalb der Richtlinien ist) oder von einem Verbrechen weiß
und darüber zu berichten versagt, wird ein Mittäter und erhält die gleiche Strafe, mit der der
Schuldige diszipliniert wird.


Die Quintessenz vom System Wissensbericht ist zu gewährleisten, dass Scientology-Mitglieder sich
gegenseitig kontinuierlich ausspionieren, um den Ethik-Apparat von Scientology mit einem
stetigen Strom an Informationen zu versorgen. Und er ist dazu da um sicherzustellen, dass
Mitglieder darüber Bescheid wissen, dass sie von jenen beobachtet und überwacht werden, die
ihnen am nächsten stehen - Familie und Freunde. Ein Wissensbericht ist nicht dazu da, die
Handlungen oder den Missbrauch des Management zu korrigieren. Und darum versagt dieses
Werkzeug schlussendlich eine upstat Leicht-zu-Lebengruppe zu erschaffen, wie es Hubbard
behauptete es würde. Stattdessen erschafft es eine Atmosphäre von Angst und Paranoia.



Um noch einen tieferen Einblick in die Denkweise von Scientology zu erhalten, der Rechtskodex
von Scientology, welcher sich in vier Kategorien unterteilt: Fehler. Vergehen. Verbrechen.
Schwerverbrechen.

Fehler sind, so sagt es Hubbard:


... sind kleinere, unbeabsichtigte Unterlassungen oder Versehen. Diese sind: Auditing-Patzer;
kleinere Veränderungen von Technologie oder Richtlinien; kleine Fehler in der Ausbildung;
kleinere Fehler oder Unterlassungen bei der Ausführung von Pflichten und administrative Fehler,
die nicht zu finanziellem Verlust oder einem Verlust an Status oder Ruf eines Vorgesetzen führen.


Solange man für Scientology kein Geld verliert, und keinen Vorgesetzten in Schwierigkeiten bringt
ist alles in Ordnung.

Die nächste Stufe ist Vergehen, die mit 47 Aufzählungen lang ist:


Nichtbefolgung
Unhöflichkeit und Widersetzung
Fehler, die in finanziellem Verlust oder Verlust von Publikums- oder Geschäftsverkehr resultieren.
Handlungen oder Unterlassungen, die zu Statusverlust oder Bestrafung eines Vorgesetzten führen.



Die Liste der Verbrechen ist mit 83 verschiedenen Punkten umfangreicher:


Nichtbefolgung dringender und sehr wichtiger Anordnungen, wenn dies einen Ansehensverlust in
der Öffentlichkeit zur Folge hat.
Scientology oder Scientologen einer Gefahr auszusetzen.
Einer unterdrückerischen Person oder Gruppe Auditing zu geben oder ihr Beistand oder
Erleichterung zu gewähren.
Anstiftung zum Ungehorsam.
Anzetteln lokaler Umtriebe, um einen Vorgesetzten seiner Macht oder seiner Stellung zu
berauben.
Destruktive Gerüchte über Scientologen von höherer Stellung zu verbreiten
Die Aufrechterhaltung der Disziplin zu verweigern.
Einen leitenden Angestellten mit Arbeit zu überlasten, indem man seine Pflichten ignoriert.




Der Schwerpunkt liegt auf den Straftaten gegen die Organisation oder Vorgesetzten, und nicht auf
unfaire oder missbräuchliche Behandlung von Mitarbeiter oder einfach Anhänger. Es geht einzig
allein, Mitglieder auf Linie zu halten und die Organisation zu beschützen. 


Die letzte Liste Schwerverbrechen umfasst 129 Punkte; und für jeden Punkt kann man
exkommuniziert werden:


Öffentliche Verwerfung oder Verleugnung der Scientology oder von Scientologen, die
bei Scientology den Status guten Ansehens haben.
Öffentliche Äußerungen gegen Scientology oder Scientologen
Vor staatlichen oder öffentlichen Untersuchungen der Scientology feindlich Zeugnis
abzulegen, um die Scientology zu unterdrücken.
Einen Zivilprozess gegen irgendeine Scientology-Organisation oder irgendeinen
Scientologen einzuleiten …
Von einer Organisation oder Mission eine Rückerstattung von Spenden zu verlangen …
Fortgesetzt einer Person oder Gruppe anzuhängen, welche in korrekter und präziser
Weise zu einer unterdrückerischen Person oder unterdrückerischen Gruppe erklärt worden ist.
Öffentliche Bekanntmachung der Abkehr von Scientology



Und so weiter. Somit haben die schwersten und ernsthaftesten "Verbrechen" in Scientology damit
zu: Scientology zu verlassen. Gegen Scientology auszusagen. Eine Zeugenaussage gegen
Scientology zu machen … Jeder kann hier leicht erkennen, dass dies ein sehr, sehr eigennütziger
Rechtskodex ist. Er wurde erschaffen, um die Organisation vor Aufdeckung durch Insider und
Aussteiger zu beschützen. Es zeigt ein Bild von einer Organisation, die sehr viel zu verbergen hat.

Scientology-Mitglieder sind überzeugt davon, dass die Organisation die Macht darüber hat, ihnen
"ihre Ewigkeit" zu gewähren oder zu verweigern. Eine Drohung die Technologie zu verweigern,
kann ein Mitglied in erhebliche Depression schicken. Somit werden die Drohungen der
Organisation diesen Weg abzuschneiden oder Service zu verweigern sehr ernst genommen - es ist
buchstäblich eine Angelegenheit auf Leben und Tod.