Nicht nur, was Bewusstseinskontrolle ist, sollte man prinzipiell verstehen; ebenso wichtig ist es, zu begreifen, was Bewusstseinskontrolle nicht ist. In der öffentlichen Diskussion wird dieser Begriff leider oft mit Gehirnwäsche gleichgesetzt. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um sehr verschiedene Prozesse, die man nicht verwechseln sollte. Bewusstseinskontrolle ist keine Gehirnwäsche.

Der Ausdruck "brainwashing", "Gehirnwäsche", wurde 1951 von dem Journalisten Edward Hunter geprägt. Er umschrieb damit jenen Prozess, in dessen Verlauf gefangene amerikanische Soldaten im Koreakrieg plötzlich ihr gesamtes Wertesystem umkehrten und fiktive Kriegsverbrechen gestanden. Hunter übersetzte den Begriff aus dem Chinesischen: hsio nao, wash brain, Gehirn waschen.

Gehirnwäsche ist stets gewaltsam. Das Opfer weiß von vornherein, dass es sich in Feindeshand befindet. Es ist klar, wie die Rollen verteilt sind - wer Gefangener und wer Wärter ist. Der Gefangene hat praktisch keine Wahl. Die Opfer werden meist misshandelt, ja sogar gefoltert.

Gehirnwäsche ist ein effektives Mittel, wenn es darum geht, jemanden für bestimmte Forderungen gefügig zu machen, z. B. ein falsches Geständnis zu unterschreiben oder eine eigene Regierung zu verraten. Die Opfer werden aus Selbstschutz zu bestimmten Handlungen gezwungen.

Bewusstseinskontrolle, auch Gedankenreform genannt, funktioniert subtiler und raffinierter. Die Betreiber/Beeinflusser werden als Freunde, Mentoren oder Gleichgesinnte angesehen, daher verhalten sich die Opfer kaum defensiv. Das veranlasst Menschen dazu, ihren Schutz zu senken und macht sie mehr angreifbar für Manipulation. Ahnungslos kooperieren sie mit den vermeintlichen Vertrauenspersonen und geben Informationen über sich preis, die später gegen sie verwendet werden.

Bewusstseinskontrolle ist kaum oder gar nicht mit offener körperlicher Misshandlung verbunden. Stattdessen werden hypnotische Prozesse mit Gruppendynamik kombiniert, um einen starken Indoktrinationseffekt zu erzielen. Das Individuum wird durch Täuschung und Manipulation - nicht durch direkte Bedrohung - dazu gebracht, die vorgeschriebene Wahl zu treffen. Insgesamt reagiert es positiv auf das, was man mit ihm macht.

Der Schlüssel zum Erfolg von Bewusstseinskontrolle liegt in der Feinheit, wie die Illusion von Kontrolle vorangetrieben wird. Die Person glaubt, sie macht ihre eigene Wahl, wenn sie in Wirklichkeit so beeinflusst wurde, dass ihr eigener kritischer Verstand und ihre Entscheidungsfähigkeit außer Kraft gesetzt wurden. In anderen Worten, die Person ist völlig überzeugt, sie habe frei entschieden, ihren freien Willen der Gruppe/dem Anführer/der Ideologie hinzugeben.

Die Zielperson weiß nicht, dass sie manipuliert und kontrolliert wird, vor allem darf sie nicht merken, dass sie sich allmählich wandelt und Schritt für Schritt einen Weg geführt wird, Interessen zu dienen, die ihr selbst schaden. 

Bewusstseinskontrolle oder Gehirnwäsche?